Heftkritik: CHIP 06/02 Contributed by Anonymous on Montag, 06. Mai 2002 @ 18:31:09 MESZ
Topic: Heftkritik
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Sie haben es getan: CHIP gibt’s jetzt auch eine Nummer kleiner. Die Mini-Ausgabe liegt gut in der Hand, ist etwas größer als die Pocket-PC-Welt, erinnert aber ansonsten sehr an diese. Denn wie das IDG-Magazin wurde die große Schwester maßstäblich geschrumpft. Inhaltlich sind (bis auf die fehlende CD) keine Unterschiede festzustellen. Schade eigentlich,
denn das Pocket-Konzept ist noch nicht optimal umgesetzt. Vor allem in Sachen Bebilderung: Was im Großen gerade noch lesbar ist, wird im Kleinen zum verwaschenen Farbklecks (z.B. Randspalte auf S. 19). Zumal, wenn etwa Grafiken wie auf Seite 47 noch mit einem Streifenmuster unterlegt sind.
Inhaltlich ist auch die Juni-CHIP auf dem Stand der Zeit. Der Aktuellteil ist lesenswert, er besteht weniger aus Produktnews als aus IT-Nachrichten und Trendberichten. Das Titelthema „Windows XP tunen“ besteht aus knapp 40 Tipps – etwas knapp für ein Titelthema, das ein „perfektes Windows“ verspricht. Die Einleitungen der Tipps sind leider leseunfreundlich kursiv gesetzt. Der Hardwareteil beginnt mit vier News-Seiten. Der Kommentar (S. 47) ist nur Insidern verständlich: „SiS 745 frisst meine Speicher nicht, Nforce zickt mit den Treibern rum, Ali lief noch nie, und in dieses Chaos stürzt nun auch noch ATI“ – häh? WENN der Text sich auf einen Mainboard-Test in der gleichen Ausgabe bezöge, käme vielleicht auch der gemeine Leser mit, aber so nicht. Voll auf 3D fährt CHIP beim Test der Gforce-4-Karten ab. Dass gerade die neuesten Modelle bei hohen 2D-Auflösungen Schärfeprobleme haben, konnten die Tester deshalb nicht mitbekommen. Oberflächlich wirken teilweise die Einzeltests: Der Gamecube etwa, erfährt man, „deklassiert Sonys Playstation 2 von vornherein“ und nur die Xbox biete „vergleichbare Grafikleistung“ – da hat die Nintendo-Werbung wohl Wunder gewirkt. Spannend: Der Report zum Thema Quantencomputer; selbst CHIP-Chef Pyczak ließ sich den Labor-Besuch offensichtlich nicht nehmen. Wirklich verständlich hat aber auch CHIP die Funktionsweise des Quantenrechners nicht dargestellt – und so schreibt der Autor auch vom „schwer verständlichen Sowohl-als-auch-Zustand“. Bloß nicht zu viel versprechen: Auf den PDA-Test folgt ein Artikel „So tunen Sie Ihren Handheld auf 110 Prozent“. Tatsächlich, 10 Prozent Leistungssteigerung dürften mit den angebotenen Tipps machbar sein. Im Software-Teil mussten sich Antivirenprogramme einem Test unterziehen. Mit nicht ganz nachvollziehbarem Ergebnis: Für „Erkennung“ erhielt Norman Virus Control z.B. nur 77 Punkte, obwohl es alle Viren erkannte. Sechs Punkte mehr bekam AVG, dem einige Viren durchschlüpften (minimal 98,3% Erkennungsrate). Bei Punktzahlen zwischen 0 und 100 sollte der Leser schon erfahren (und sei es im Web), wie die Urteile genau zustande kommen – CHIP gibt nur die Gewichtungen der Hautbereiche an.
Nützlicher Tipp im Praxisteil: CHIP zeigt, wie ein Filzstift den CD-Kopierschutz aushebeln kann. Muss der anonyme Kritiker doch glatt mal ausprobieren. Sehr passend: „CHIP vor 20 Jahren“ befasst sich mit dem „Tatort Spielhölle“ – der Text liest sich nach „Erfurt“ ganz anders, als er vorher geschrieben wurde...
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