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Heftkritik: Computerbild 17/02
Contributed by Anonymous on Freitag, 16. August 2002 @ 18:08:45 MESZ
Topic: Heftkritik
Ganz im Zeichen des Internet steht die 17er-Ausgabe der Computerbild. Zunächst bringt die Redaktion ihren Lesern nahe, wie das Internet beim Sparen hilft. Dahinter steckt kein Test, sondern ein bunte Sammlung nützlicher und weniger nützlicher Adressen, jeweils kurz beschrieben und mit teils zu klein geratenen Screenshots illustriert, vom Klingonisch-Wörterbuch bis zur Farb- und Stilberatung

- gefolgt von einem Einkaufsführer. Ebenfalls ein Internet-Thema: Der Test von E-Mail-Diensten. Wie viele Kandidaten sich dem Test stellten, darüber ist sich die Redaktion auf den ersten Blick nicht einig geworden: Während der Titel von "7 Diensten" (schreiben wir Zahlen bis zwölf nicht immer brav als Wort?) spricht, geht der Artikel von "sechs Anbietern" aus. Der Trick: T-Online darf gleich zwei Dienste (Webmail und Mailclient) ins Rennen schicken, was AOL jedoch verwehrt bleibt.
Grundsätzlicher Kritikpunkt: Wie zuletzt der Test der Prozessorkühler folgt auch dieser Test der Unsitte, ein Produkt auf einen einzigen Aspekt hin zu testen und das Urteil, das dann für das "ganze Produkt" steht, mittels "Abwertung" nur an diesem Kriterium auszurichten. So wie niemand einen Kühler nur nach dessen Lautheit auswählt, beurteilt kein Anwender sein E-Postfach NUR danach, ob es Viren weiterleitet. Davon abgesehen ist es durchaus ungewöhnlich, den Virenschutz nun plötzlich (in früheren Tests kam die Redaktion selbst noch nicht auf diese Idee) dem E-Mail-Anbieter aufzuerlegen. Die Post macht auch niemand dafür verantwortlich, dass sie Briefe nicht auf Sprengstoff- oder Milzbrand-Spuren testet, obwohl das technisch möglich wäre. So kann auch der CB-Anwalt nur von einer "Grauzone" sprechen. Eine Frage, die die Redaktion dem Anwalt nicht gestellt hat: Wer haftet denn, wenn dem E-Mail-Anbieter MIT Virenschutz mal ein neuer Virus durch die Lappen geht? Kann und darf sich der Anwender auf den Online-Virenschutz also wirklich verlassen - oder muss er doch wieder mit eigenen Schutzprogrammen vorsorgen? Fragwürdig sind auch weitere Testpunkte der Tabelle - etwa die SSL-Verschlüsselung der Verbindung, gilt diese doch nur für die eher unkritische Strecke zwischen Anwender und Mailserver. Oder der Punkt "SMTP nach Pop": mit "1" werden hier Anbieter bewertet, die Smtp erst NACH Pop3 anbieten, obwohl das für den ANWENDER unpraktisch ist und nur dem Anbieter hilft. T-Online wiederum, wo der Anwender eh schon identifiziert ist, und Smtp deshalb auch ohne vorherigen Abruf des Pop3-Kontos möglich ist, wird unisinnigerweise mit einer "6" bestraft. Noch ein Beispiel: "Speichern von Anhängen wird verhindert". Computerbild fordert tatsächlich, dass der E-Mail-Anbieter das Speichern von Dateianhängen UNTERSAGT. Mal eben ein Programm, ein Bild oder eine Word-Datei schicken, das soll bei einem mit "1" bewerteten Anbieter unmöglich sein. Auch im Detail sind einige Tabellenwerte falsch: So soll es etwa bei T-Online-Mail unmöglich sein, ein neues Kennwort zu erhalten. Über AOL kann man durchaus Faxe empfangen (wenn auch nicht kostenlos, aber das wird im Testpunkt nicht gefordert). Die Anmeldung bei AOL und T-Online nennt die Redaktion "vergleichbar sicher" (vergleichbar zu SSL). Während in der Tabelle erwähnt wird, dass AOL die Größe eintreffender Mails begrenzt, behauptet der Text auf Seite 42 das Gegenteil.

Der Aktuellteil dieser Ausgabe ist so weit okay - wieder sind nur drei der je zehn Einträge der Software-Hitliste von Computerbild getestet worden. Dann die Testurteile vielleicht doch lieber weglassen? Ansonsten muss ja der Eindruck entstehen, dass die Redaktion am Bedarf ihrer Leser "vorbeitestet"; nur zwei der Einträge sind ja jeweils "neu".
Im Hardware-Test diesmal exemplarisch ein Vergleich von Grafikkarten mit verschiedenen Prozessoren. Schade, dass Matrox' Parhelia und weitere Radeon-Chips im Vergleich fehlten - der wäre sonst noch repräsentativer geworden; so dominiert Nvidia. Dass alle Nvidia-Modelle von Asus kamen, lässt sich mit der besseren Vergleichbarkeit begründen, wäre aber nicht unbedingt nötig gewesen. Immerhin sind in einer Tabelle "weitere Karten mit den getesteten Prozessoren" erwähnt. Gut gelungen und nützlich: Die Artikel zum Aufbau eines Wireless LANs oder einer SAT-Anlage und der Babyphone-Test. Weniger sinnvoll: Die neue Serie zu bundesweiten Technik-Ketten (Teil 1: Mediamarkt) - der Artikel klingt zu brav, zu sehr wie ein Loblied, für eine runde Firmen-Story fehlen die spannenden Interna. Beim Beitrag zu den "Ebay-Tricks" fehlt eindeutig die Bewertung, welche der geschilderten Tricks legal sind - und welche zum Ausschluss aus Ebay führen können (etwa das Bieten auf eigene Auktionen).

 
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