Kabel
Kabel BW bittet Sender zur Kasse
27.03.2008
Neben einer Preiserhöhung für die Endkunden bittet Kabel BW
auch die Sender zur Kasse. Nach Informationen von Digitalmagazin soll der
Netzbetreiber von Sendern neuerdings 4,5 Cent Einspeisegebühr pro Haushalt
verlangen. Erste Sender haben das Netz der Kabel BW bereits verlassen.
Beteiligte Kreise berichten von Unmut bei den Kabelkunden, die mehr
Gebühren zahlen müssen, im Gegenzug aber weniger Sender empfangen
können.
Kabel BW-Sprecher Martin Herkommer verwies auf DM-Anfrage
darauf, dass im etablierten Vergütungsmodell der Kabelverbreitung die
Sender (sowohl private als auch öffentlich-rechtliche, „kleine“ wie „große“
Sender) für die Transportleistung im Einspeisenetz entsprechende
Einspeiseentgelte zahlen würden. „Diese Aufteilung entspricht auch den
telekommunikationsrechtlichen Regelungen“, so der Sprecher gegenüber
Digitalmagazin. Kabel BW habe bei der Errechnung Wert darauf gelegt, dass
die Erhebungsgrundlagen den Grundsätzen der kosteneffizienten
Leistungserbringung entsprechen, die für marktbeherrschende Unternehmen von
der Bundesnetzagentur zur Genehmigung von im voraus zu genehmigenden
Vorleistungspreisen herangezogen würden, erklärte Herkommer.
Die Branche murrt, da die aufgetauchten Gebühren anscheinend
nicht Bestandteil der Businesspläne verschiedener Sender gewesen ist.
Besonders kleinere Sender sind hiervon betroffen und stehen nun vor dem
Problem, die umfangreiche Zusatzbelastung zu refinanzieren. Der Betreiber
eines Spartenkanals berichtet gegenüber Digitalmagazin von Zusatzkosten in
sechsstelliger Höhe.
„Unter Marketinggesichtspunkten sowie zur Erleichterung der
Markteinführung von Digitalfernsehsendern hat Kabel BW für einen gewissen
Zeitraum ab Einspeisestart einen Einführungsrabatt in Höhe der digitalen
Einspeiseentgelte gewährt“, machte Herkommer klar. Diese Zeiträume seien
allerdings zwischenzeitlich weitgehend abgelaufen, so dass fast alle Sender
auch für die digitale Verbreitung die vollen Einspeiseentgelte bezahlen
müssten, so der Sprecher weiter. Herkommer bestätigte gegenüber
Digitalmagazin, dass Sender wegen der Gebühr zumindest die Kabel
BW-Verbreitung gestoppt hätten: „Insbesondere regionale Sender, die nur ein
bestimmtes, nicht das ganze Kabel BW-Netzgebiet umfassendes
Verbreitungsgebiet haben, wollen lediglich in diesem Teilgebiet verbreitet
werden und haben sich deshalb aus der landesweiten Verbreitung
zurückgezogen.“ Dies habe tatsächlich in erster Linie Kostengründe, da die
Sender bisher für die landesweite Verbreitung nicht bezahlen mussten.
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