Microsoft will Einfluss auf Berichterstattung
Datum: Montag, 29. Mai 2006 @ 09:26:06 MESZ
Thema: Medien


Wer erinnert sich noch an die Aufregung um die Service-Pack-2-CD auf deutschen PC-Zeitschriften? Mit der Beta-Version des neuen Office geht Microsoft einen Schritt weiter: Der Konzern möchte Einfluss auf die Berichterstattung nehmen. Das findet zumindest Computerbild (die Microsoft-Software schon traditionell in Tests schlecht bewertet) nicht gut: In der neuesten Ausgabe macht die Springer-Zeitschrift auf die ungewöhnlichen Wünsche aus Redmond aufmerksam.

Verlage, die eine Kopie von "Office Professional Plus 2007 Beta 2" auf ihren Heft-CDs und -DVDs vertreiben möchten, sollen laut der CB-Pressemitteilung einen Vertrag unterschreiben. Die Verlage müssten daraufhin Microsoft einen Entwurf der geplanten Artikel zur "Prüfung und Stellungnahme" zur Verfügung stellen, "Die Redaktionen sollen dann bei der Einbeziehung der empfohlenen Änderungen 'kooperieren'. ... Damit sollen etwa 'Inkorrektheiten in bezug auf die Produkte' und eine 'Herabsetzung von Microsoft und/oder jeglichen Produkten' vermieden werden." Besonders heikel: Microsoft will außerdem verbieten, dass auf derselben CD irgendwelche Open-Source-Software enthalten ist: "Der Vertrag regelt auch die Inhalte der Heft-CDs/-DVDs, auf denen 'Microsoft Office 2007' vertrieben wird. So sind etwa sogenannte 'Open-Source-Produkte' auf solchen Datenträgern verboten. Namentlich wird das kostenlose Büroprogramm 'Open Office' genannt." Außerdem verlangt der Softwarekonzern, eine Vorabkopie der Heft-CDs/-DVDs zur Prüfung zu erhalten. CB-Stellv-Chef Hans-Martin Burr: "Dieser Vertrag ist ein grober Eingriff in die journalistische Unabhängigkeit", sich darauf einzulassen sei eine Bankrott-Erklärung redaktioneller Freiheit. Ich bin ja gespannt, auf welchen Heft-CDs sich Office 2007 demnächst findet...





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