Heftkritik: Emos (Dezember 2001)
Datum: Freitag, 16. November 2001 @ 11:11:37 MEZ
Thema: Heftkritik


Äußerlich blass kommt es daher: "Emos", das neue "Magazin für ein bewegtes Leben" aus dem vor allem für Kompetenz bekannten Heise-Verlag. Allerdings hat nur ein c’t-Redakteur (Carsten Meyer) das Arbeitsfeld gewechselt; andere kommen von Computerbild, Switcher, Netbusiness oder, wie Chefredakteurin Nicola Hahn von "Freundin". Das Layout erinnert (ein Zufall?) an das einer Frauenzeitschrift.

Vom Inhaltsverzeichnis bis zum Impressum. Was steckt drin: Bunte Newsmeldungen (teilweise erstaunlich aktuell) – Unterschied zu Tomorrow: auf T+M verzichtet Emos.

Der Titelartikel zum Thema "Digiklau" verrät nicht allzuviel Neues ("immer schön aufpassen"). Gut gelungen: Die fast wie eine Reportage erzählte Geschichte über den ZDF-online-Reporter, der als fliegender Händler auf Marco Polos Spuren nach China reiste. Die Auslassungen zu "Skivergnügen mit dem Handy" zeigen die gewünschte Lifestyle-Zielgruppe deutlicher: Ganz wie in "Amica" oder "Brigitte" geben Kästen kurze Fashion-Tipps. Das blanke Gegenteil: der trockene Beitrag zu "Java im Handy". Getestet hat die Emos-Redaktion in dieser Ausgabe 4-Megapixel-Kameras. Das Grundprinzip: keine Testtabellen (auch bei den anderen Tests, diese werden im Web nachgereicht), und, c’t-like, keine Testurteile. Dass die Balken für die Leistung der Geräte in den verschiedenen Disziplinen nicht mal mit einem Maßstab versehen wurden, geht aber m.E. zu weit und setzt auch den Testaufwand der Redaktion ins falsche Licht (als würde dort nur Pi*Daumen geschätzt).

Einem Anwendertest (bei Tomorrow gern genommen, bei c’t noch nie) wurden diesmal drei PalmOS-PDAs unterzogen. Ob sich ein Test in Dialogform gut liest – Geschmacksfrage, kennt der Leser doch die Qualifikation der zu Wort kommenden Anwender nicht. Und ob das Gespräch wirklich genau so abgelaufen ist, darf bezweifelt werden: Welcher User redet schon druckreif und in der für die Geschichte passenden Abfolge?

Etwas unmotiviert kommt das Aufmacherbild zum Artikel "Das i des Kolumbus" daher. Ein Herr, anscheinend Japaner, mit Regenschirm, zwei Handys und Playboy-T-Shirt. Im Text gehts um I-Mode, das "Japan-WAP".

Was im Heft noch fehlt: Der rote Faden. Da wechseln sich Tests, Reportagen und erfahrungsberichte bunt ab, mal gehts um Digitalkameras, dann um Handys und Organizer und schließlich wieder um Digicams, gefolgt von Autoradios und Palm-Software. Die berühmt-berüchtigten "Tipps & Tricks" sind, obwohl das Editorial etwas anderes verspricht, äußerst dünn gesät. Der Abschluss-Artikel bringt eine etwas an den Haaren herbeigezogene Ausrede, Bilder OHNE Technik formatfüllend zeigen zu können (etwa den Ayers Rock oder zwei Südsee-Schönheiten". Zitat: (kleines Bild: Techniker vor Kabeln, großes Bild: Südsee-Imsulaner) "... 33 ... Techniker arbeiten rund um die Uhr (oben)... Wenn es einen Kabelbruch gibt ... ist die reibungslose Kommunikation bis in die Südsee (gr. Foto) in Gefahr"

Gründliche Überarbeitung verdient hätte der Artikel "Der richtige Mix", der vor allem die Strahlungswerte von Smartphones diskutiert. Holprige Schreibweise, Tippfehler und falsche Formulierungen – das sollte bei der langen Vorbereitungsphase eigentlich nicht vorkommen. Beispiele: "Die Rede ist von der Gesundheitsgefährdung durch elektromagnetische Strahlung ..., auch SAR-Werte genannt" (Gesundheitsgefährdung und SAR-Wert sind keine Synonyme). "Eine gesundheitliche Gefährdung der von Handys ausgehenden Strahlung ist zwar nicht nachgewiesen..." (warum sollte die Strahlung auch gefährdet sein?). "Angegeben wird der SAR-wert in Watt pro Kilogramm bezogen auf 10 Gramm Körpermasse" (wie bitte?) "Bei der Beurteilung ... herrscht Verwirrung – weil sie nicht immer konstant ist" (die Beurteilung ist nicht konstant? Oder die Verwirrung?). "die Funktionsvielfalt, die in vielen Punkten mit einem Subnotebook vergleichbar ist" (Geräte sind vergleichbar, aber doch kein qualitativer Begriff mit einem Objekt!). Aus einem "Bereich" wird plötzlich ein "Punkt", manche Worte häufen sich, Formulierungen mit "man" sind üblich, Haupt- und Nebensätze passen nicht zueinander. Die meisten anderen Artikel weisen derartige "Bugs" zum Glück nicht auf.







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