
Heftkritik: PC-Praxis 01/02
Datum: Mittwoch, 05. Dezember 2001 @ 18:30:42 MEZ Thema: Heftkritik
Ihren Nostradamus gelesen hat die PC-Praxis-Redaktion offensichtlich – „2002: wir wissen, was passiert“ ist jedenfalls die Januar-Ausgabe betitelt. Wie bei Prophezeiungen üblich, sind die Vorhersagen recht schwammig gehalten.
Immerhin werden für Weihnachten 2002 DVD-Rohlinge für 5 Euro und DVD-Brenner für 500 bis 600 Mark zugesagt. Dass Intel und AMD weiter an der Gigahertz-Schraube drehen – es käme einem Wunder gleich, wenn das nicht der Fall wäre. Der Aldi-Rechner im November 2002 jedenfalls, meint PC-Praxis, wird ein System mit 2,5-GHz-P4– eine schöne runde Zahl und mit Nvidia NV25-Chip sein.
Mit ihrer aktuellen CD betreibt PC-Praxis etwas, was eigentlich Bauernfängerei zu nennen wäre – wenn nicht der durchschnittliche Leser durch die Vollversions-Inflation, wie sie auch die PC-Praxis-Konkurrenz betreibt, inzwischen sowieso erkannt hat, dass es große Unterschiede zwischen „Vollversion“ und „Vollversion“ gibt. So verkauft das Data-Becker-Heft etwa das für privaten Gebrauch generell kostenlose RagTime Privat als Top-Vollversion.
Der Aktuell-Teil, lobenswert, verdient seinen Namen – jedenfalls für ein Monatsmagazin. Was die Überschrift „IBMs verbale Zukunft fährt Auto“ sagen will, ist allerdings völlig unklar (Infineons nonverbale Vergangenheit fährt übrigens Fahrrad).
Großes, wenn auch nicht exklusives Titelthema: DVDs rippen. Zum Thema Rechtslage ist zu ergänzen, dass die aktuelle DivX-Version nicht mehr auf einem MPEG4-Codec von Microsoft beruht. Ansonsten bietet die Redaktion So-geht’s-Artikel, Tipps und einen DVD- und CD-Brenner-Test.
Leichte Probleme mit der Prozentrechnung offenbart PC-Praxis im Hardwareteil. Ob etwas „um 100 Prozent beschleunigt“ oder „um das Doppelte“ beschleunigt wird, ist ein ziemlich großer Unterschied...
Recht unauffällig ist ein Praxis-Artikel zu dem Data-Becker-Programm „Fotoshow-Brenner“ als „Advertorial“ gekennzeichnet; das eindeutige Wort „Werbung“ hätte besser gepasst. Handwerklich schlecht geschrieben: Der Artikel zu den „geheimen Handy-Codes“. Doppelt verwendete Wörter, Satzkonstruktionen wie „Spannender als die GSM-Codes ist es allerdings, in die Tiefen des Mobiltelefons zu blicken“ oder „Tasächlich ist es so, dass es verschiedenen Codes gibt, nach deren Eingabe...“ schreien nach Überarbeitung.
Der als Test von Internet-Flatrate-Anbietern angekündigte Artikel ist kein echter Test: Leistungsmessungen fehlen völlig, lediglich die von den Anbietern versprochenen Features und Preise werden verglichen.
Mutig: Im Test der Multimedia-Lexika berücksichtigt PC-Praxis auch das im selben Verlag erschienene Data-Becker-Lexikon 2002; interessanter Weise bekommt dieses Produkt den „Preistipp“, obwohl sein Preis/Leistungsverhältnis nur „befriedigend“ ist, während dabei etwa der Brockhaus Multimedia mit „sehr gut“ abschneidet. Auch das „Handy-Big-Pack“ von Data Becker wurde mit der „Empfehlung der Redaktion“ ausgezeichnet.
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