Heftkritik: Computer Easy 26/01
Datum: Donnerstag, 13. Dezember 2001 @ 17:40:02 MEZ
Thema: Heftkritik


Eine Dame mit großem Balkon hat es diesmal auf die Titelseite der Computer Easy geschafft – noch kein Grund für Fans des BILD-Girls, zu dem Heft zu greifen, denn das Foto ist züchtig klein. Ein hübscher Zufall, dass [danke, Peter Hummel :)] Chefredakteur Thomas Pyczak im Editorial über „pummelige Mädchen mit mäßig frisierten blonden Locken“ schreibt... Doch Computer Easy wechselt nicht die Zielgruppe:

die Titelthemen sind, wie bei einer Fachzeitschrift zu erwarten, nicht unbedingt „sexy“.
Thema 1: Windows 98/ME/XP stabiler machen (die 95er-Version hat die Redaktion – wie auch Hersteller Microsoft – wohl schon abgeschrieben). Beinahe poetisch die Vorspann-Zeilen: Updates sollen die „Schlieren“ des Systems entfernen, und ein frisches „Alles blitzt!“ lobt schon vor getaner Arbeit. Die Wortspiele um Windows und Fenster werden ein bisschen zu sehr strapaziert. Als einfachste Art, Windows zu aktualisieren, empfiehlt die Redaktion, den IE6 zu installieren. Allerdings holt man sich damit – das verschweigt der Tipp – u.U. ein neues Problem ins Haus, das diverse Updates erfordert: Plugins funktionieren mit dem IE6 nicht mehr; wer solche einsetzt, muss darauf hoffen, eine Active-X-Version des Plugins zu finden. Eine Zwischenüberschrift im folgenden Abschnitt (in dem es um die Aktualisierung der Treiber geht) verwirrt auf zunächst: Neue Treiber, behauptet sie, trieben es nicht mehr bunt. Der Monitor wird aber trotzdem nicht in Graustufen angesteuert – gemeint ist lediglich, dass sich Grafikkartentreiber heute meist einfach einrichten lassen.
Thema 2: Geschenkideen zu Weihnachten. Klingt holprig: Die in jedem der Kästen verwendete Zwischenüberschrift „Darauf beim Kauf achten“. Weißer Text auf orangefarbenem, strukturiertem Hintergrund – wie hier in den Randspalten verwendet – ist leider schlecht lesbar.
Titelthema 3 – „Daten schützen“ setzt ein bisschen auf den Paranoiker in uns. Der neidische Kollege, der Projektdateien ändert, die Ehefrau auf der Suche nach heimlicher Liebespost – die geschilderten Szenarien sind glücklicherweise meist nicht real. Die Lösungen von Computer Easy (Steganos etc.) aber durchaus. Die bei PGP gelobte Schlüssellänge („256 Bit“) klingt zwar imposant, sagt aber nur wenig über die Sicherheit der Verschlüsselung aus: Ein asymmetrisches Verschlüsselungsverfahren mit „nur“ 256 Bit wäre eher unsicher.
Aktuellteil: Da ist wohl diesmal die Endkontrolle etwas knapp ausgefallen – darauf deuten zumindest Flüchtigketsfehler wie „zum Lieferumfang gehört X und Y sowie Z“ (richtig wäre: gehören), „zudem ist sind neue Rechtschreibung und ... integriert“, „erstaunlich ist ..., dass die Firma ... sich dem Konkurrenzlager angeschlossen haben“ oder „Bearbeiten werden die Daten ... auf dem Display“. In „Empire Earth“ steckt mehr als eine Interkontinentalrakete (oder gar keine, wenn man’s wörtlich nimmt).
Nützlich: Der Praxis-Artikel über den Umgang mit Digicams. Die Vorzeile „Schneller fotografieren“ löst auf den ersten Blick Verwunderung aus – doch (preiswertere) Digicams sind tatsächlich dazu zu bewegen, schneller zu knippsen, so dass flinke Motive nicht verschwinden. Gut auch die Rechen-Tipps, die das Verhältnis von Pixelzahl und Ausgabegröße verdeutlichen. Ach ja: „sehr unempfindlich“ gibt es nicht...
Internet-Teil: Der Vorspann zu den Suchmaschinen-Tipps ist schon sehr superlativistizistisch geraten, außerdem wird eine der Zeilen als Zwischenüberschrift wiederholt. Es mag kleinlich klingen, aber die Abkürzung FAQ steht nicht für „Antworten auf irgendwas“, und ein Webkatalog ist keine Recherchevariante. An sich gut: die Vorstellung von Zone Alarm. Was aber dringend nötig wäre, fehlt: ein Hinweis, wie der unbedarfte Nutzer die von Zone Alarm ausgelösten Warnmeldungen interpretieren soll. Sonst greift der C-Easy-Leser bei jedem Portscan zum Hotline-Telefon...





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