Heftkritik: Computerbild 06/02
Datum: Dienstag, 12. März 2002 @ 16:02:22 MEZ
Thema: Heftkritik


Mit neuem Titel-Layout kommt Computerbild 06/02 daher: Die Themenliste ist an den rechten Rand gerückt. Nicht sinnvoll, aber schön: Frau Feldbusch darf auf dem Titelfoto eine JVC-Videokamera halten. Allerdings hat Verona den Weg zum Axel-Springer-Platz wohl gescheut: Das Foto kommt, der Bildhinweis verrät’s, von JVC. Außerdem auf der ersten Seite:


ein zweiteiliger (!) Workshop zur neuen AOL-Software – passend zur ebenfalls ins Heft geklebten (allerdings von AOL bezahlten) CD-ROM.
40 Seiten widmet diese Ausgabe der Cebit. Gerhard Schröder bekommt einen kurzen Auftritt – allerdings nur in Form eines „exklusiven“ Jubel-Grußworts, das Deutschland unwidersprochen eine „weltweite Spitzenposition beim mobilen Internet“ zuschreibt. Nett: Der Cebit-Rückblick auf Flops vergangener Jahre. Die Stärke der Cebit-Strecke eindeutig in der Hardware-, TK- und UE-Produktauswahl – kaum ein heißes Eisen fehlt. Sonderlich systematisch geht es in der Strecke allerdings nicht zu – fünf Notebooks pro Seite wären wohl auch langweilig geworden. Kritikpunkt: Bei den Preisangaben findet sich einmal zu oft „noch nicht bekannt“ – könnte am zeitigen Redaktionsschluss gelegen haben. Nicht so spannend: die Software-Seiten – vier Seiten voller Packshots geben optisch nicht viel her. Schwer hatten es die fürs Internet zuständigen Redakteure: Die Cebit ist ja nicht wirklich die Messe für neue Websites.
Was sonst noch auffiel: Computerbild wird sich bald in „Computerkurs“ umbenennen müssen. Acht Mehrteiler (davon fünf ausdrücklich als Kurs bezeichnet) sollen die Leser bei der Stange halten. Rekordhalter ist dabei der Kurs zu der Heft 26/01 beigelegten Heft-CD, das ambitionierteste Projekt zweifellos der Kurs „Programmieren mit C++“, der die Leser noch bis Jahresmitte begleiten wird. Nur noch eine Ausgabe lang müssen CB-Käufer hingegen den Grundlagen-Kurs zu TCP/IP ertragen – der kommt in dieser Ausgabe sogar ohne allzu viel Fachkauderwelsch aus.
Im Einsteiger-Teil geht die Redaktion diesmal der Frage „Was ist ein Modem?“ nach. Auch eine Definitionsfrage: Im CB-Deutsch heißen alle Geräte so, die Computer und Telefonleitung verbinden, egal ob analog, per ISDN oder per DSL. Unausgewogen zeigt sich eine Geschichte im Magazinteil: In Sachen „Abgaben auf digitale Geräte“ wird der Standpunkt der Geräte-Hersteller ausführlichst geschildert – die Gegenseite kommt gar nicht zu Wort. Auch in Sachen „Preis von Druckerpatronen“ zeigt sich Computerbild im Interview mit der HP-Deutschland-Geschäftsführerin ungewohnt zahm – dabei ist allgemein bekannt, dass die Druckerhersteller nicht an den Geräten verdienen, sondern am Verbrauchsmaterial. Neu: eine Seite beschreibt „Aktuelle Computer-Werbeangebote“. Da sich diese recht schnell ändern können (der „Scaleo“ von heute hat mit dem Scaleo von vor zwei Wochen oft wenig gemein), wäre es allerdings sinnvoll, auch den Angebots-Zeitraum zu verraten. Der Leser erfährt nur, wie viel Arbeitsspeicher die Grafikkarte hat – dabei ist es ein großer Unterschied, ob eine GeForce 2 oder eine GeForce 4 mit je 64 MB im Rechner werkelt.





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