Heftkritik: Computerbild 07/02
Datum: Montag, 25. März 2002 @ 23:00:03 MEZ
Thema: Heftkritik


Hübsch sieht sie nicht aus, die neue Computerbild: Fast die komplette Titelseite besteht aus Text. Denn ein Ostergeschenk, das hier prominent beschrieben wird, hat die Springer-Zeitschrift in ihre aktuelle Ausgabe geklebt: Eine CD-ROM. "Angetrieben" wird sie von derselben CD-Oberfläche wie schon bei der letzten Ausgabe mit CD - und wie damals muss der Nutzer vor jedem Start des Programmmenüs zunächst eine (absolut Computerbild-untypisch formulierte) Lizenzvereinbarung akzeptieren -

dass der Anwender dem Vertrag (dessen Gültigkeit nach deutschem Recht sowieso in Frage steht) bereits zugestimmt hat, merkt sich das Programm leider nicht. Sehr frei hat Computerbild auf dem Titel den Begriff "Vollversion" interpretiert: Üblicherweise ist damit ein Programm gemeint, das ohne Beschränkung (auch zeitlicher Art) funktioniert - im Gegensatz zur Demo- oder Sharewareversion, die sich für ein paar Goldtaler in eine Vollversion umwandeln lässt. Eh kostenlos weiterzugebende Freeware-Programme fallen - üblicherweise - nicht in die Kategorie "Vollversion". CB erklärt das ihren Lesern etwas anders: Vollversion ist alles, was "voll" funktioniert - und wenn das nur für x Tage zutrifft, dann handelt es sich eben um eine "Vollversion für x Tage". So führt das CD-Inhaltsverzeichnis Freeware-Programme wie etwa Clony XXL, Imagesaver, Win-Ter, Irfan View, AntiVir Personal Edition oder 0190-Warner ebenfalls als "Vollversionen" auf. Mit der CD liefert sich die Redaktion wieder Stoff für die kommenden Hefte: Alle Programme sollen ausführlich erklärt und beschrieben werden.
Lesenswert ist diesmal die Aktuell-Strecke: Die Cebit hat offensichtlich genug interessante News gebracht. Sicher nicht vorsätzlich, aber ungeschickt: Das im Heft auf sechs (!) Seiten beworbene 1&1-DSL-Angebot im Aktuellteil (Internet) zu erwähnen und außerdem noch in den "IN"-Teil von In&Out aufzunehmen.
Neu gestaltet wurden die Testtabellen im Internet-Teil. Die sind nun tatsächlich übersichtlicher - allerdings sind die Tests selbst mit ihren Monumental-Screenshots leider nicht schöner geworden. Die TV-Total-Seiten wurden offensichtlich von jemand bewertet, der mit Raab & Co. nichts anfangen kann: denn der bekrittelte "Holzhammerhumor" und der "belanglose Flachsinn" sind ja gerade dessen Markenzeichen - sähe die Website anders aus, ginge sie wohl an der Zielgruppe vorbei... Schwierig in jeder Hinsicht ist nach wie vor der C++-Kurs: Schon der Vorspann gibt Rätsel auf. Anscheinend ist sich die Redaktion nicht ganz im Klaren, wer mit dem Kurs angesprochen werden soll - Einsteiger lassen sich mit dürftigen Konsolenanwendungen sicher nicht über zig Ausgaben bei der Stange halten, und Profis sind vermutlich unterfordert. Der TCP/IP-Kurs dreht hingegen mit dem letzten Teil ein bisschen auf: Was hinter den bunten Webseiten steckt, könnte tatsächlich den ein oder anderen interessieren. Schwierig wirds wieder bei den Netzwerk-Tipps: Wie viele der wohl eher spärlich gesäten CB-Leser, die selbst einen Webserver unter Windows XP am Laufen haben, werden diesen gemeinsam mit einem Apache-Server betreiben wollen?





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