Heftkritik: Computerbild 16/02
Datum: Montag, 29. Juli 2002 @ 18:29:26 MESZ
Thema: Heftkritik


The empire strikes back: Einem geschenkten Gaul hat Computerbild in der neuesten Ausgabe ins Maul geschaut (mit ordentlichem Presseecho übrigens - etwa bei Spiegel Online). Und attackiert die BSI-Sicherheits-CD mit ungewöhnlich harschen Worten. Ein bisschen spät eigentlich -

die Scheibe wurde bereits zur Cebit präsentiert. Allerdings muss man wissen, dass die inzwischen zu durchaus ernsthafter Konkurrenz gewachsene PC-Welt die CD gerade erst kostenlos ins Heft gehoben hat. Die CB-Redaktion kritisiert vor allem, dass die Silberscheibe keine Firewall enthält und sich der Kinderschutz leicht umgehen lässt- durchaus nachzuvollziehen. Allerdings fließen beide Punkte gleich doppelt in die Endnote ein (einmal als schlechte Teilnote, zusätzlich als Abwertung auf Endnote 5). Dass die CD nicht nur Programme liefert, sondern auch Infos zur Sicherheit enthält, kommt gar nicht zur Sprache. Unpassend: Das auf dem Titel vergebene Attribut "unmöglich" - die Existenz der CD bezeugt das Gegenteil.
Hauptthema dieser Ausgabe sind jedoch nicht Ottos Fehler, sondern Bills Bugs: "Die schlimmsten Microsoft-Fehler". Der Artikel beschreibt, wie der Anwender die wichtigsten Bugs korrigiert. Auf Dauer ist das etwas monoton, weil es meist auf das Einspielen eines Patches hinausläuft. Aber dafür kann der Redakteur nichts :)
Der Aktuellteil, gewohnt knapp, ist diesmal sehr unverbindlich geraten. Distanz zum Hersteller ist schön und gut, aber das muss ja nicht mit so vielen "sollens" erkauft werden. Sehr bildlich der Hypertext zu "Scanner": Das ist ein Gerät, das "Bilder abtastet". Der UE entlehnt ist wohl der Text zu "Festplatten" - im PC-Bezug ist er unvollständig. Nicht korrekt auch die "Virus"-Definition, die allein auf die (gar nicht zwangsläufig vorhandene) Schadfunktion dieser Software-Sorte abstellt.
Im Hardware-Test: Prozessorlüfter. Schade - wirklich gemessen wurde nur die Lautsstärke der Luftquirle, und die sind, welch Glück, alle "sehr leise". Ein für Computerbild, wo sonst fast alles extensiv geprüft wird, ungewohnt sparsamer Test: Ob ein Lüfter regelbar ist, was er leistet, wie lange er seinen Dienst verrichtet - dazu gibts Herstellerangaben (ohne Bewertung) oder gar nichts. Auch im daran anschließenden Netzteil-Test spielte nur die Lautheit des Geräts eine Rolle, nicht einmal die Leistungsabgabe floss in die Bewertung ein. Zwar stand der Test unter der Headline "Computer leiser machen", doch Einzelteile nur nach dem Laufgeräusch auszusuchen ist nicht wirklich zu empfehlen.
Ebenfalls im Test: E-Mail-Programme. Vier der acht Testkandidaten tragen das Wörtchen "Outlook" im Namen. Paradoxes Ergebnis: Obwohl der Test auf dem Titel mit der Frage "Welches E-Mail-Programm ist sicher vor Viren?" angekündigt wurde, landet etwa Outlook 2002 (ohne Sicherheitspatch) auf Platz 3. Dabei sind sich Experten eigentlich einig - ohne die vorherrschende Outlook-Monokultur gäbe es die meisten "E-Mail-Viren" gar nicht. Schade, dass den Testern etwa "The Bat" entgangen ist - so ist Pegasus Mail (hier Zweiter) der eigentliche Testsieger.






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