
Heftkritik: PC-Praxis 10/02
Datum: Donnerstag, 05. September 2002 @ 17:42:22 MESZ Thema: Heftkritik
Das Düsseldorfer PC-Magazin scheint einen genialen Weg gefunden zu haben, Ausgaben (für Autoren) in Einnahmen (von Anzeigenkunden) zu verwandeln: Die Firmen schreiben ihre Beiträge einfach selbst,
die "Artikel" werden im PC-Praxis-Stil layoutet (inkl. Info- und Tipps-Kästen etc.) - und wenn man dann noch den Rubrikkopf mit dem Wort "Advertorial" ergänzt und im Fuß der Seite in 5-Punkt-Schrift "Für den Inhalt dieser Seite ist XY verantwortlich" abdruckt, dann, meint der Verlag, ist alles ganz sauber. Einmalig: diesen "Text-Anzeigen" kommt sogar die Ehre zuteil, ins (nach wie vor nicht sehr übersichtliche) Inhalts-Verzeichnis aufgenommen zu werden. Im Inserentenverzeichnis sind die "Advertorial"-Seiten übrigens nicht zu finden.
Doch zu dem, was aus den Federn der Redaktion kommt: Das Titelthema, die "Brenner-Bibel" ist ein durchaus gelungener Querschnitts-Artikel inklusive Test, Tipps und Anleitungen. Wenn man sich nicht von Sätzen wie "Wir ermitteln die verschiedenen Funktionen ... anhand der Herstellerangaben und durch Auslesen der Firmware" stören lässt - naja, immerhin ehrlich. Was bei den Tests leider völlig fehlt, ist die Nachvollziehbarkeit: Der Leser kann aus den Angaben in den Testtabellen nicht selbstständig auf das Ergebnis schließen. Es sollte zumindest ersichtlich sein, ob ein Tabelleneintrag _überhaupt_ in die Wertung eingeht oder etwa nur zur Information aufgeführt wird.
Ein weiterer Schwerpunkt ist in dieser Ausgabe das Heimkino: Mit Tests von DVD-Laufwerken und -Playern, Projektoren (SVGA) und 5.1-Lautsprecher-Systemen. Der Leser bekommt einen schönen Überblick - harte Testergebnisse wird er sich (gerade bei einem 3000-Euro-Projektor) wohl besser vom Spezialisten holen.
Recht hakelig gehts diesmal im Aktuellteil zu, wenn es um die schöne deutsche Sprache geht. Wenn der Kritiker Überschriften wie "Neu: Sony's kleines Kombi" lesen muss, kräuseln sich ihm wirklich die Fußnägel. "Nun" scheint ein Lieblingswort des Aktuell-Redakteurs zu sein, und nicht immer passen die Satzbestandteile so zueinander, wie das die deutsche Grammatik vorsieht (exemplarisch sei der Artikel "CD-Brenner werden teurer" auf Seite 9 genannt).
Gut und wichtig: Das Aktuell-Feature zum kommenden Urheberrecht.
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