
Heftkritik: PC-Welt 12/02
Datum: Montag, 28. Oktober 2002 @ 17:45:14 MEZ Thema: Heftkritik
Die aktuelle Ausgabe der IDG-Zeitschrift könnte man leicht für die monatliche Schwester der Computerbild halten. Im guten wie im schlechten. Positiv: Den "Volks"-PC hat die Redaktion diesmal auch auf EMV-Verträglichkeit prüfen lassen - ein Testkriterium, das eigentlich eine Computerbild-Spezialität ist.
Ausgerechnet beim Plus-PC musste die Springer-Zeitschrift wegen der Kooperation mit bild.t-online.de passen - zum Glück (für Springer): denn diesmal wies PC-Welt nach, dass der Rechner das CE-Zeichen zu Unrecht trägt. Ähnlichkeiten zur CB gibts aber auch auf negativer Seite: Kritik muss sich PC-Welt in diesem Monat an der CD-Werbung auf dem Titel gefallen lassen. "6 Vollversionen" sollen sich auf der Scheibe finden. Damit schließt sich PC-Welt nun der Computerbild-Linie an, jedes voll funktionsfähige Programm als "Vollversion" zu bezeichnen. So ist unter anderem die GPL-Freeware GIMP eine "Vollversion". Zudem bewirbt eine an Packshots erinnernde Optik die Programme - als gäbe es etwa das aus Freeware- und Demoversionen bestehende, von PC-Welt selbst zusammengestellte "Brenner-Power-Pack" oder die ebenso entstandene "Illegal-Box" für viel Geld auch im Softwarehandel. "Exklusiv" wird auch das eingeschränkte Verschlüsselungs-Programm "Archicrypt SE" geliefert - erst im zugehörigen Artikel ist zu erfahren, dass die (dort korrekt so genannte) Vollversion nochmal Geld kostet. Dass das die Leser nicht über kurz oder lang durchschauen sollen?
Ansonsten wühlt das Titelthema einmal mehr in der "Geheim & illegal"-Mottenkiste. Tauschbörsen, Newsgroups, IRC usw. - natürlich erfüllt die Redaktion nur ihre Informationspflicht, "trotzdem müssen wir darüber berichten", meint Chef Bruckmeier, "weil es eben viele Menschen interessiert". Immerhin gibts den netten Hinweis, dass auch PC-Welt raubkopiert wird - als PDF nämlich. Fachlich-sachlich wichtiger kommt hingegen der Sicherheitsartikel daher, der Risiken und Nebenwirkungen der Benutzung von Standard-Software beschreibt und zudem auf Alternativen hinweist. Auch der Bios-Guide gibt einiges her, selbst wenn die Einordnung der Tipps in Kategorien zum Teil etwas seltsam erscheint. Der sehr knapp geratene Online-Teil besteht aus einem gut gelungenen "Anonym ins Internet"-Artikel, der sich leider auf die am häufigsten eingesetzten Programme beschränken muss bzw. Pauschal-Lösungen empfiehlt.
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