Heftkritik: Internet World 04/03
Datum: Montag, 10. März 2003 @ 17:19:31 MEZ
Thema: Heftkritik


Die "neue" Internet World (zur Erinnerung: das Blatt wollte sich ab dieser Ausgabe zum Fachmagazin wandeln) sieht tatsächlich anders aus als vorher. Das Cover (das man ja in Zukunft viel seltener am Kiosk zu sehen bekommen wird) kommt sehr verhalten und in echter Magazin-Optik daher - nur die roten "IW"-Buchstaben springen den Leser an, wenn er die Zeitschrift aus dem Briefkasten holt.

Zwar braucht IW nun keine reißerischen Headlines mehr - inhaltlich sind aber keine großartigen Änderungen auszumachen. Vor allem Nutzwert-Themen bestimmen das Heft - aufgegliedert in die Bereiche "Business", "Design" und "Entwicklung". Ach ja - auf CDs will das Heft in Zukunft offensichtlich ebenfalls komplett verzichten - genau genommen eine versteckte Preiserhöhung. Das Layout ist angenehm sachlich geraten. Von Spielereien wie der durchgehenden Kleinschreibung von Kasten-Überschriften abgesehen gehört es zu den positiven Neuerungen. Es ist nur teilweise etwas schwierig, Artikel voneinander zu trennen - so liest man bei der Doppelseite 42/43 wegen der bundübergreifenden Aufmacher-Grafik unwillkürlich "Eigenversuch Ranking-Zoff", obwohl es sich um zwei verschiedene Artikel handelt. Zu wenige der laut Editorial "vielen Überstunden" hat die Redaktion allerdings in den Text investiert. So wird etwa fröhlich die Abschaffung des Bindestrichs propagiert ("vom Saft-Laden zum Juice Shop"), zum Beispiel mit "Cebit Highlights", "Security News", "Browser Marktanteile". Nicht konsequent ist der Umgang mit Bildunterschriften geregelt: Mal finden sich zu offensichtlichen Deko-Bildern BUs, mal fehlen sie komplett. Etwas schwierig ist auch die Linie umzusetzen, zu jeder noch so kleinen Aktuellmeldung einen Vorspann zu fabrizieren. Kein Wunder, dass der dann oft wenig sinnreich ausfällt oder gar falsch ist (weil er z.B. im Artikel zum eco-Vorwurf an die Telekom auf S. 11 den Vorwurf als Tatsache beschreibt). Auch der Inhalt der Nachrichten ist manchmal, nun ja, zweifelhaft. So soll etwa eine EU-Kommissar Fits (richtig: Frits) Bolkestein Raubkopierer bestrafen wollen, indem sie "ihre Bankkonten verlieren". Dass die "PC-Abgabe beschlossene Sache" ist, wird der Bitkom auch weit von sich weisen. Auf Seite 16 taucht gleich fünfmal die Verbindung "stellt vor" auf - nicht sehr einfallsreich. Ein Gerät mit einem Außenmaß von 83x52x20 ist nicht wirklich "kleiner als eine Kreditkarte". Zudem kann die Auswahl der Produkte bei den Cebit-Highlights und den Tests nicht wirklich überzeugen. Ein P4-Mainboard für Server, der MuVo128 oder die Umax-Digicam gehen wohl doch noch etwas an der neuen Zielgruppe vorbei. Sehr passend hingegen: Die Doppelseite zum Web-Recht.





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