
Heftkritik: Tomorrow Mai 03
Datum: Montag, 19. Mai 2003 @ 18:03:29 MESZ Thema: Heftkritik
Tomorrow hat sich ein neues Kleid geschneidert - ein guter Anlass, auch dieses hier sonst kaum vertretene Heft mal etwas intensiver unter die Lupe zu nehmen. Klar ist: Aus Tomorrow ist natürlich keine Fachzeitschrift geworden - das war wohl auch nicht beabsichtigt. Nach wie vor spielt die Erotik eine große Rolle - diesmal mit knapp angezogenen Damen fast im Centerfold-Format. Zum Glück hat Tomorrow nur auf diesen Seiten das Format auf "hochkant" umgestellt. Das Heft kommt durchaus unterhaltsam daher - dagegen ist ja nichts einzuwenden. Was allerdings kein Grund sein sollte, die inhaltliche Tiefe zu reduzieren. Bei den Tests etwa kann man bestenfalls von "Test light" sprechen. So etwa beim
DSL-Test. AOL als Testsieger - nun ja, kein Wunder, wenn man sich das Testverfahren ansieht. Denn die "Geschwindigkeit des Webseiten-Aufrufs" (http) wurde am Beispiel genau einer Website gemessen - an der von Tomorrow. Die liegt ganz zufällig im Mediaways-Netz. Außerdem verwundert die Punktevergabe in der Testtabelle: Sowohl QSC als auch AOL erhielten für "Geschwindigkeit" 20 von 30 Punkten, obwohl QSC durchgängig teils deutlich bessere Werte erreichte (z.B. Ping 68 ms vs. 9 ms).
Beispielhaft (im schlechteren Sinn) auch der Handyvergleich. Eine Vergleichs-Tabelle, die nur (!) Herstellerangaben enthält (und die nicht mal komplett) - entbehrlich.
Zum Dritten: Der "Test" von Digicams bis 400, 800 bzw. 1200 Euro. Bepunktet hat die Redaktion dabei zum Beispiel, mit wieviel Megapixel die Kamera fotografiert. Und wie kann man ernsthaft Testpunkte benoten, bei denen dann nur "k.A." zu lesen ist?
Recht schwer ist der Redaktion die Vorstellung der E3-Highlights gefallen. Kein Wunder, dass bei dem großen Vorlauf kaum einer der wirklichen Hits angekündigt wird - dafür aber von Gerüchten zu lesen ist, die sich als genau das erwiesen.
Die Titelgeschichte erinnert an die besten Zeiten der New Economy: "Fünf neue Suchdienste revolutionieren das Internet". Ach. Revolutionär ist demnach z.B. Hotbot, das, sensationell, jetzt Metasuche anbietet. Und ob Kartoo nun wirklich einen "überzeugenden Themenüberblick" erzeugt, ist doch eher zweifelhaft.
Gewöhnungsbedürftig ist das Inhaltsverzeichnis: Zuerst kommt im Heft nämlich eine Seite "Neu in diesem Monat", die nach nicht erkennbaren Kriterien einen Teil des drei Seiten später folgenden Inhaltsverzeichnisses vorwegnimmt.
Seltsam mutet eine Doppelseite an, die sich "Mehr Surfspaß mit den Diensten von T-Online" nennt. Mit dem rosaroten Rand könnte das eine Anzeige sein - ist aber nicht als solche gekennzeichnet.
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