Heftkritik: PC-Praxis 11/03
Datum: Donnerstag, 02. Oktober 2003 @ 18:11:12 MESZ
Thema: Heftkritik


Eine PC-Praxis hat der anonyme Kritiker lange nicht in der Hand gehabt - deshalb kommen im "November"-Zyklus die Düsseldorfer Kollegen diesmal zuerst an die Reihe. Das Fazit zuerst: Das Heft macht es einfach gar zu leicht, Kritikpunkte zu finden.

Fans gediegener Sprache müssen viele der Artikel ein Graus sein. Selbst in Schulaufsätzen wurden wir doch schon vor unnötigen Wiederholungen gewarnt. Aber PC-Praxis scheint geradezu einen Sport daraus zu machen, zum Beispiel in wenigen Sätzen möglichst oft das Wort "Foto" unterzubringen. Apropos "machen": An sich ein ehrenwertes Wort, doch wenn es in zwei Sätzen hintereinander auftaucht ("kleiner zu machen...", "Casio hat genau dies gemacht"), klingt es einfach unbeholfen. Zweimal "schon" pro Satz, "ausschließlich nur" und ähnliche Konstruktionen häufen sich. Da will man gar nicht recht glauben, dass es zumindest laut Impressum sogar eine Schlussredaktion gibt. Besonders gern konstruiert die Redaktion auch Zusammenhänge, wo es keine gibt: "Da mittlerweile auch viele Anbieter MP3-Player mit Festplatten anbieten [sic!], hat Creative die Größe und das Gewicht noch einmal verringern können". Wenn es keine anderen Anbieter von Festplatten-MP3-Playen gäbe, wäre Creative dazu also nicht in der Lage gewesen? Dazu kommen schiefe Bilder: "Verunsicherungen", die "Wellen schlagen" zum Beispiel. Auch gewisse Matheprobleme werden deutlich - naja, Prozentrechnung mag halt nicht jeder. "DivX 5.1: Doppelt so schnell", sagt eine Headline. Im Text liest sich das dann so: "DivX encodiert um bis zu 50 Prozent schneller als die Vorgängerversion". Die Grafik verrät, dass die Überschrift Recht hat: DivX 5.0 schaffte noch 0,5 "HDRs" pro Stunde, DivX 5.1 erreicht gut 1 HDR pro Stunde (die ungewöhnliche Einheit HDR ergibt sich aus der Grafik, die Encodierzeiten für eine Herr-der-Ringe-DVD verrät).
Inhaltlich hält PC-Praxis zum Glück nicht ganz, was die sprachliche Misere verspricht. Die Themenauswahl ist vernünftig, wenn auch nicht so ganz klar wird, wen PC-Praxis eigentlich ansprechen möchte. Auf jeden Fall Leute, die sich mit einer englisch-deutschen Pseudo-Fachsprache anfreunden können ("was die User mit den Tools anstellen"). Die Tests laufen eher in der Kategorie "Praxis-Tests", sprich: der Redakteur hat die Testobjekte ausprobiert und sich eine Meinung darüber gebildet. Fragwürdig sind die auch ins Inhaltsverzeichnis aufgenommenen "Advertorials", ein "Drucker-Praxis"-Artikel von Canon etwa oder ein "Internet-Praxis"-Beitrag von AOL. Beide wurden immerhin (obschon im PC-Praxis-Layout) als "Anzeige" gekennzeichnet. Der "Bluetooth-Praxis"-Artikel, bei dem es nur um AVM-Produkte geht, trägt keine solche Kennzeichnung.





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