Heftkritik: Audio Video Foto Bild 1/04
Datum: Freitag, 05. Dezember 2003 @ 10:33:13 MEZ
Thema: Heftkritik


Lange hat sie gebraucht - dem Hörensagen nach wurde sie schon zur IFA erwartet: "AVF-Bild" ist nicht das umfassende Testmagazin in Warentest-Konkurrenz geworden, das Chef Harald Kuppek über Jahre hinweg geplant hatte. Dem Käufer mutet die Redaktion aber trotzdem ziemlichen "Hardcore"-Lesestoff zu: Tests, Tests, Tests stehen im Vordergrund,

garniert von Tipps und Newsmeldungen. In einem Rutsch liest man die Zeitschrift jedenfalls nicht durch - Erholungsstrecken fehlen völlig. Gut: die Auswahl der Testprodukte ist nicht abgehoben. Getestet wird, was gekauft wird. Punktesammeln will das Magazin vor allem mit Gründlichkeit, die weder Kosten noch Zeitaufwand scheut. Keine Praxistests - hier wird gemessen, was das Zeug hält. Das Ergebnis: riesige Tabellen, in engster Schrift gedruckt, die den bisherigen Tabellen-Spitzenreiter Computerbild noch übertreffen. Der Aufwand wurde tatsächlich ins Extrem getrieben - Beispiel DVD-Player: Die Bildqualität wurde mit den Faktoren Sehtest am TV, Sehtest am Projektor, Detailgenauigkeit, Sauberkeit der Hell-Dunkel-Übergänge, Graustufenlinearität, Farbsättigung, Farbabweichung bei Rot, Hellingskeitsrauschabstand und Farbrauschabstand bestimmt. Und das für JEDEN Ausgang eines DVD-Players, also beim Testsieger für FBAS, S-Video, RGB, YUV (ohne progressive Scan), YUV (mit progressive Scan) und VGA. Die einzelnen Faktoren gehen dabei noch mit 0,3 Prozent Gewichtung ins Endergebnis ein. Ähnliches findet sich beim Test von TV-Geräten: Einige Kriterien tragen hier sogar nur mit 0,05% zum Endergebnis bei.
Ein bisschen albern ist die genaue prozentuale Aufschlüsselung der Anteile von Action, Dialog, Erotik usw. bei den DVD-Kritiken, die die Redakteure angeblich mit Stoppuhr ermittelt haben. Vor allem, dass am Ende immer 100% herauskommen, ist unrealistisch: Oft genug führen die Schauspieler beim Sex Dialoge, und humorvolle Action soll ja auch nicht unbedingt selten sein. Schön sind aber die ansonsten sehr umfangreichen technischen Zusatzinfos zu den geprüften DVDs.
Fast keine Patzer hat sich bei der Neuerscheinung die Textredaktion erlaubt - offensichtlich ist das nicht selbstverständlich. Einen Designpreis wird das Heft sicher nicht gewinnen. Das passende Adjektiv "zweckmäßig" wird aber wohl von der Redaktion als Lob verstanden. Nur für die im Aktuellteil gewählte Schriftart trifft es nicht zu - hier sind die Texte eher schlecht lesbar (was leider zu den Ermüdungserscheinungen beiträgt, die AVF-Bild insgesamt beim nicht ganz besonders interessierten Leser hervorruft). Etwas zweifelhaft sind die "Design-Neuheiten": Wesentliche Unterschiede zu den weiter vorn vorgestellten Neuheiten sind kaum erkennbar. Nett: Während auf S. 24 eine "Falschmeldung über Kopierschutz" beklagt wird, findet sich in "Out" die Meldung, Sony habe "schon wieder" einen neuen Kopierschutz getestet. "Second Session" ist aber nur ein schöner Name für das altbekannte Key2Audio, die CDs enthalten zusätzlich eine Daten-Session mit komprimierten Versionen der Songs, die auf dem PC abspielbar sind. Ach ja: die Weihnachts-Seiten (weiße Schrift auf grelem Rot, orange Überschriften) schaut man sich besser auch nur mit Sonnenbrille an.





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