Heftkritik: Computer Easy 07/04
Datum: Montag, 22. März 2004 @ 13:42:23 MEZ
Thema: Heftkritik


Ziemlich zugetextet ist die Titelseite der aktuellen Ausgabe des VogelBurda-Magazins. Aufs Inhaltsverzeichnis hätte man da fast verzichten können - na immerhin werden Standard-Rubriken wie Leserforum und Impressum noch nicht auf dem Titel erwähnt.
Digitalfotografie verkauft sich immer gut (jedenfalls im Moment noch),

und so hat die Redaktion "Top-Fotos Schritt für Schritt" nicht zu unrecht zum Titelthema gekürt. Allerdings stellt der Artikel ganz besondere Anforderungen an den Wortschatz der Redakteure: das Wörtchen "Foto" kommt hier, so scheints, mindestens so oft vor wie der unbestimmte Artikel (oder das Wort "Klick" in einem Computerbild-Workshop). Prinzipiell ist das Thema gut umgesetzt - bei Foto-Grundregeln beginnend bis hin zum kreativen Drucken. Nur einige Details sind diskussionswürdig. Dass man zur ambitionierten (2D-)Fotobearbeitung ausgerechnet eine Grafikkarte "ab GeForce FX5200" braucht, ist z.B. ein Märchen. Da hätte man dem Leser besser die Vorteile von viel RAM für Photoshop & Co. erklären sollen. Und warum muss es unbedingt ein "Pentium 4" sein, tut's ein AMD-Prozessor nicht auch? Der Tipp, Bilder doch nicht mit der höchsten Auflösung der Digicam zu schießen ("die Bilder müssen vor dem Drucken sowieso verkleinert werden"), wird spätestens dann unsinnig, wenn die Fotos beim Online-Printservice hochgeladen werden. Genauso unpassend: der Tipp, für Bilder, die man im Format 11x15 entwickeln lassen wolle (das übrigens kaum ein Bilderdienst anbietet, Standard sind da 10x15), genüge eine Auflösung von 1,3 MPixel. Ebenso kritisch: Dem Leser wird verschwiegen, dass (bei Jpeg-Bildern) JEDER Speichervorgang Bildqualität kostet. Stattdessen schließen viele Tipps mit der Aufforderung ab, das Bild mit STRG+S zu speichern. An manchen Stellen wird der Leser außerdem alleingelassen: So betont das Magazin ausdrücklich den Vorteil eines manuellen Weißabgleichs, ohne zu verraten, wie man den in der Praxis denn nun durchführt.
Zweites Titelthema ist das "Windows XP Servicepack 2". Fragwürdig ist allerdings, was ein Artikel zu dem Mitte des Jahres erscheinenden Update im "Praxis"-Teil zu suchen hat. Sehr praktisch ist der Bericht ja nun nicht unbedingt. Gut gelungen: der Freemail-Test. Zwar nicht der erste seiner Art, aber die Konditionen ändern sich ja oft genug - und erstmals (?) wurde nicht Web.de Testsieger. Bei GMX-Freemail hätte man allerdings ergänzen können, dass Pop3-SSL durchaus möglich ist. Und in den heutigen Zeiten wäre ein Test der Spamfilter ganz nett gewesen. Schade, dass beim "Pillen per Post"- Thema der eigentlich fällige Test unterblieb. Zugegeben: den (natürlich rein subjektiv) langweiligen Sammelteil überfliegt der Kritiker sonst nur. Diesmal blieb er jedoch an der Headline "Nie mehr einen Flieger verpassen" hängen. Das Patentrezept gegen Staus auf Mittlerem Ring und Autobahn besteht - Überraschung - darin, die Website des Münchner Flughafens aufzurufen, die Ankunfts- und Abflugliste zu lesen und einen bestimmten Flug zu suchen. Schwierigkeitsgrad: zwei Sterne (von drei).
Zum Schluss noch zum Aktuellteil: Seite 3 wird jetzt voll und ganz der Schnäppchensuche gewidmet - keine schlechte Entscheidung, denn wer liest schon Editorials... Die Softwaremeldung zu PowerRoute 2004 hat kein Fußballfan verfasst: Weil Bayern _und_ 1860 im Olympiastadion spielen, gibt es zwar 18 Bundesligamannschaften, aber genau genommen nur 17 Stadien. Ansonsten - schade, dass das Magazin seinen theoretischen Aktualitätsvorteil nicht besser (und ausführlicher) nutzt.





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