Heftkritik: Computerbild 07/04
Datum: Montag, 22. März 2004 @ 18:45:37 MEZ
Thema: Heftkritik


"Frisch von der CeBIT" berichtet Computerbild Nr. 07/04. Ein mutiges Unterfangen - hätte doch der Redaktionsschluss des Magazins normalerweise vor dem CeBIT-Start gelegen. Und so geht der Messebericht auch nicht ganz ohne Pannen ab. Z.B. habe Kanzler Schröder, meint Computerbild, das Phonoline-Portal mit einem Download eröffnet. Nein, hat er nicht, sagt Kanzler Schröder, auch wenn er das gern getan hätte - denn kurz zuvor war die Gema der Musikindustrie

in die Quere gekommen. Die vorgestellten Hard- und Softwareneuheiten waren denn auch fast durchweg schon wenige Tage vor der CeBIT bekannt, echte Messeneuheiten (wie die DVD-Player-Kaffeemaschine von KISS Technology) fehlen hingegen. Andererseits - ein zweites CeBIT-Special wird kaum anders zu verkaufen gewesen sein, und immerhin sind die "Brandaktuell"-Redakteure im Messebüro zu sehen und ein Bild von der Schröder-Eröffnunfsrede beweist, dass die Headline "Frisch von der CeBIT" nicht zu unrecht vergeben wurde. Der endgültige Redaktionsschluss wird wohl am frühen Donnerstag morgen gelegen haben, sonst hätte der Phonoline-Lapsus noch auffallen müssen. Trotzdem fällt auf, dass die Texte sprachlich nicht so geschliffen daherkommen. So findet sich in vielen Texten dreimal hintereinander (oder öfter) das Verb "werden" in verschiedenen Formen - und auch "können" und "lassen" sind ungewöhnlich beliebt. Konstruktionen wie "Mehr als bloß ein Mobiltelefon, nämlich sogenannte Smartphones sind das ... und das ..." wären normalerweise wohl dem Textchef aufgefallen. Während Computerbild beim Hardware-Test mit der Zeit geht und Mini-PCs (Stichwort: "Shuttle") prüft, sind die Kandidaten für den Software-Test (Downloadbeschleuniger nämlich) inzwischen eher wieder out - bei Emule, Kazaa oder BitTorrent sind sie halt nicht sinnvoll einzusetzen. Der Kurs zu Suse Linux ist gut gemeint - aber wer will von einem zum nächsten Schritt je zwei Wochen warten, wenn er ein neues Betriebssystem installiert? Der Computerbild-Tipp dazu kann eigentlich nur lauten: warten Sie, bis der Kurs abgeschlossen ist, schalten Sie Ihren PC an (wenn er nicht schon läuft), drücken Sie den Auswurfknopf Ihres CD-Laufwerks (Bild mit rotem Punkt), entnehmen Sie eine eventuell vorhandene CD und legen Sie dann die Suse-Installations-CD ins Laufwerk. Sehr aktuell: der Test der Netz-Videotheken. Um Enttäuschungen zu vermeiden, wäre es vielleicht sinnvoll gewesen, dem Leser zu verraten, in welcher Form er die DVDs bekommt - nix mit opulenten Verpackungen und Booklets jedenfalls. Ansonsten ist der Test aber gelungen. Dito: der Handy-Kauf-Ratgeber. Im Audio/Video/Foto-Teil überrascht das gnädige Testurteil für Gericoms TV42PBM3: "befriedigend" für ein Plasma-TV, das PAL nur in verringerter Auflösung darstellen kann. Recht verschmitzt (das soll keine Anspielung sein) löst die Redaktion im Test von DVD-Kopiersoftware das Urheberrechtsproblem: Programme, die CSS entschlüsseln, bekommen (als Teilnote) eine "6" verpasst. Trotzdem landet DVD Shrink, das eben diese Funktion besitzt, im Test auf Platz 3. Im Punkt "Infos bei" liest man dort: "aus urheberrechtlichen Gründen darf Computerbild die Internet-Adresse nicht nennen". Dass sie bei einer Google-Suche brav als erster Treffer auftaucht, stört anscheinend nicht.





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