
Heftkritik: Chip Test & Kauf Mai 2004
Datum: Montag, 03. Mai 2004 @ 16:28:01 MESZ Thema: Heftkritik
Es ist eigentlich keine schlechte Idee, das, was man sowieso regelmäßig produziert, möglichst oft und mehrfach zu verkaufen. Das CHIP-Testcenter, inzwischen wohl auch für CHIP-Kollegen im Ausland tätig, testet fleißig Hardware - die Ergebnisse konnte man bisher bei CHIP online und in CHIP nachlesen, ab sofort nun auch in CHIP Test & Kauf. Äußerlich sieht das neue Magazin der Hamburger Konkurrenz recht ähnlich - nur leicht seitenverkehrt, außerdem ist Chip T&K einen knappen Zentimeter kürzer als CB
(was im Kiosk-Regal ganz und gar nicht auffällt, aber bestimmt Tausende an Papierkosten spart). Von den 100 Seiten brutto sind 27 mit Anzeigen (inkl. drei Eigenanzeigen) gefüllt - da liegen die Hamburger noch ein Stück vorn, aber dem Leser kann's relativ egal sein. Inhaltlich ist das neue Magazin sehr konsequent: Tests und Bestenlisten, etwas anderes kommt nicht in die Wundertüte. Und zwar beschränkt auf PC- und digitale Unterhaltungselektronik-Hardware (inkl. Handys). Insgesamt macht das Magazin keinen schlechten Eindruck, die Qualitätskontrolle hat fast durchgängig funktioniert. Ein paar Mängel in der Ausführung finden sich trotzdem. Etwa im zweiseitigen "News"-Teil, dessen Sinn und Zweck überhaupt nicht klar wird und der etwa ein Samsung-Notebook ohne jeglichen Test als "Die neue Nr. 1" bezeichnet. Ebenso sinnfrei: der "Bits & Pieces"-Kasten. Die Tests selbst kommen recht technisch daher. Teilweise unnötig technisch - die komplette Schnittstellenausstattung eines PCs muss man doch nicht auch noch im Lauftext erwähnen, wenn sie schon im Test-Kasten steht. Manchmal ist die Wortwahl etwas bemüht: "eindeutig" lässt sich z.B. nicht steigern, und das Wort "wertig" (bei den Notebook-Tests gern verwendet) gibt es überhaupt nicht (wer das nicht glaubt, schlage im Duden nach). Die Testtabellen sind eingängig und einigermaßen systematisch, so etwas wie ein "Testradar" gibt es zum Glück nicht. Unverständlich bleibt das "xx % günstiger"-Logo, das auf manchen Tests klebt. Günstiger als was? Als im Vormonat, als bei anderen Verkäufern, als die Konkurrenz? Bei den Testübersichten fällt die willkürlich erscheinende Auswahl der ausführlich beschriebenen Kandidaten auf. Mal wird der 1., der 2., der 9. und der 11. der Bestenliste genauer vorgeführt, ein andermal der 1., der 3. und der 4. - es ist kein System erkennbar. Eine Zeiltlang dachte der anonyme Kritiker sogar, er habe das System durchschaut: dass nur Geräte "herausgezogen" würden, die einen "Sonderaufkleber" (Profitipp, Schnäppchentipp, xx % günstiger, Neu) verdient haben - doch dann fanden sich auch für diese Regel Ausnahmen.
So ganz ohne "Druckfehler" geht es natürlich auch nicht ab: die Internet-Adressen für Artec (S. 25), für FSC (S. 70) und für JVC (S. 89) sind falsch.
Die 99 Cent der Erstausgabe gehen völlig in Ordnung - wenn der Preis dauerhaft zumindest unter den 1,60 Euro der CD-freien Computerbild-Version bleibt, dürfte das Heft seine Abnehmer finden. Die Frage ist, wieviele: Der Zeitpunkt, einen reinen Einkaufsberater auf den Markt zu bringen, scheint nicht unbedingt glücklich gewählt.
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