
Heftkritik: Computerbild 13/04
Datum: Montag, 14. Juni 2004 @ 16:59:53 MESZ Thema: Heftkritik
Die wohl wichtigste Neuerung in der aktuellen Computerbild-Ausgabe verrät Kuppek-Stellvertreter Thomas Hoffmann im Editorial: ab sofort gibt das Hamburger Magazin bei jedem Produkttest an, was die Elektronikmarkt-Kette Mediamarkt für den Testkandidaten verlangt. Der Leser soll damit "das Angebot des örtlichen Handels noch besser einschätzen" können, "auch wenn die Preise [bei Mediamarkt] regional differieren können und nicht alles im Sortiment ist". Ein kluger Schachzug?
Für "den" Mediamarkt allemal - auch wenn sich in der Praxis zeigt, dass die Kette eher selten tatsächlich der günstigste Anbieter ist.
Die Titelseite der aktuellen Ausgabe sieht nicht sonderlich schön aus, dürfte aber ihren Zweck erfüllen. "Schnüffelalarm" ist das große Thema. An sich eine nützliche Geschichte - allerdings vermisst man teilweise den erklärenden Ansatz. Zu wissen, wie etwas funktioniert, ist ja das eine - doch auch das "warum" kann interessant sein. Nicht sehr nützlich ist der Tipp zu index.dat: Statt sie regelmäßig unter DOS zu löschen, sollte man dem IE besser eine schreibgeschützte Leerdatei gleichen Namens vorlegen.
Beim Test der Festplatten-Löschprogramme wurden unfairerweise Datei-Löschprogramme in denselben Topf geworfen - die mussten dann schlecht abschneiden, weil sie versteckte Partitionen nicht löschen können. Beim "Eraser" etwa wird ja nicht ohne Grund DBAN mitgeliefert. Auch die Testkriterien hätte man ausnahmsweise überdenken sollen: dass man den "autonuke"-Befehl bei DBAN "sogar per Hand eintippen" muss, könnte ja auch seinen Sinn haben, eben weil er, wie Computerbild richtig bemerkt, "alle Festplatten im Computer sofort und ohne Rückfrage" löscht. Warum Computerbild bei defekten Festplatten das (teure) Entmagnetisieren statt der mechanischen Zerstörung empfiehlt, bleibt auch unklar (Rückgabepflicht könnte ein Grund sein).
Im zweiten Titelthema widmet sich CB der Giftfrage: Phenol aus dem Monitor? Bei Testkosten von 37000 Euro kommt immerhin heraus, dass drei von vier Röhrenmonitoren Chemikalien ausdünsten - die getesteten TFT-Geräte waren sauber.
Der Aktuellteil ist recht bunt - los geht's BILD-mäßig mit Gewinnspiel und zwei Texten, die mit gutem Willen als Magazin-Geschichten durchgehen können. Dass die "märchenhafte" Ebay-Gründungsstory rund um PEZ-Spender und eine Verlobte tatsächlich nur ein (von der ersten PR-Dame Ebays schön ausgedachtes) Märchen ist (wie sich Anfang 2002 herausstellte), ist noch nicht bis nach Hamburg durchgedrungen.
Eine prinzipielle Sache zum Schluss: mittlerweile geht dem eher sporadischen Leser ein wenig die Ordnung im Heft ab. Da finden sich hier ein paar Tipps, dort wieder Tests, Linux mal hier, dann wieder da, Hardware bunt übers Heft verteilt - vom roten Faden ist kaum noch etwas zu spüren.
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