Heftkritik: PC-Welt 08/04
Datum: Freitag, 16. Juli 2004 @ 17:29:25 MESZ
Thema: Heftkritik


Wirklich verständlich ist sie ja nicht, die Titelseite der aktuellen PC-Welt. Okay, die "30 besten Tools der Welt", da ist klar, was den Leser erwartet, wenn man auch ein Office-Paket nicht unbedingt in der Tools-Rubrik erwarten würde. Schwieriger wird's bei "Illegale Utilities - legales Brennen" mit der Überzeile "Jetzt klappt's! Für DVD und CD". Im Heft liest sich das eindeutig: "So brennen Sie Film-DVDs".

Völlig deplatziert erscheint aber "Die neuen Vire-Killer". Nicht des Themas selbst wegen, sondern weil es als "Exklusiv auf pcwelt.de" beworben wird. Da brauche ich doch das Heft gar nicht zu kaufen? Überhaupt hält man sich zu lange mit tausendmal gehörten Werbesprüchen auf: Wen reißen denn Adjektive wie "exklusiv" noch vom Hocker? Und "Kino-Qualität beim Spielen" - das haben doch schon die Hersteller der ersten SVGA-Karten versprochen?
Glücklicherweise setzt sich der Trend im Heft nicht wirklich fort. Eine nette Idee ist zum Beispiel das ausklappbare Inhaltsverzeichnis - da wird das Geld eines Anzeigenkunden mal so genutzt, dass es auch dem Leser nutzt. Der Aktuell-Teil startet mit einem wohl mit heißer Nadel gestrickten Artikel rund um iTunes & Co. Ein Gerücht (und nicht mehr) ist es z.B., dass Apple seine DRM-geschützten Songs mit Wasserzeichen versehe, das "auch beim Rippen" nicht verloren geht (tatsächlich überlegt Apple gerüchteweise, so etwas mit iTunes 5 einzuführen). Dass AOL-Mitglieder bei iTunes über ihre AOL-Rechnung zahlen können (S. 13) ist leider ebenfalls nicht richtig. Von der iTMS-Alternative Phonoline ist gar nichts zu lesen, SonicSelector wird als Einstieg von OD2 in den deutschen Markt gepriesen, obwohl etwa Mediamarkt und Karstadt als OD2-Lizenznehmer schon seit Monaten über die OD2-Plattform Musik verkaufen.
Die Tatsache, dass unter fremden Namen Spam verschickt wird, zum "Hammer des Monats" zu küren, zeugt von einer gewissen Naivität. "Versehentlich offene" Mailserver sind auch schon lange nicht mehr die Hauptquellen für Spam. Im selben Artikel wird auch recht einseitig Yahoos "Domainkeys"-Antispam-Technik als wirksame Lösung herausgestellt, aber "einige Provider lehnen das System ab" (z.B. weil sie das bereits eher veröffentlichte SPF-System bevorzugen). Zum "Vorsicht: Handywurm" sei das eher sachliche Editorial der aktuellen "Connect" empfohlen.
Sobald PC-Welt auf den folgenden Seiten beginnt, über Produkte zu schreiben, wird der Ton aber weit sachlicher. Nur manchmal finden sich noch ein paar unprofessionelle Stellen - wenn auf Seite 49 etwa wie in der Schule über "Frau Laubstein" geschrieben wird oder man in einem Vorspann den schönen Satz liest "Wir liefern Lösungen für Probleme, damit alles klappt wie gewünscht".
In Sachen DVD+Kopierschutz windet sich die Redaktion, einerseits im legalen Bereich zu bleiben, andererseits die spannendsten Bereiche nicht auszulassen. So heißt es zunächst, der Einsatz gewisser Programme sei verboten - um sie anschließend fein säuberlich aufzuführen und ihre tollen Features zu beschreiben. Früher hätte man da wohl gesagt "Programm X knackt den Kopierschutz Y", heute heißt es "der Hersteller verspricht, dass Programm X den Kopierschutz Y knackt". Und man beschreibt ja auch nur, was so im Internet passiert: "vor allem Clone-CD wird in Internet-Foren immer wieder erwähnt" oder "In den einschlägigen Foren stehen Programme wie DVD Decrypter und Smartripper hoch im Kurs". Nicht, dass das ein Leser als Tipp der Redaktion verstehen könnte...
Das Testradar scheint in der Redaktion so beliebt zu sein, dass es sogar unter dem neuen Chef erhalten blieb. Fast ein bisschen vernachlässigt hat das Magazin diesmal die Tipps&Tricks - oder sollten Leserbefragungen ergeben haben, dass diese Stärke der PC-Welt heute nicht mehr so gefragt ist?





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