Heftkritik: PCgo 11/04
Datum: Freitag, 01. Oktober 2004 @ 12:51:29 MESZ
Thema: Heftkritik


"Jetzt spinnen sie", war der erste Eindruck des anonymen Kritikers, als er heute die Elfer-Kollektion der deutschen IT-Fachpresse am Flughafen-Kiosk liegen sah. Natürlich spinnt jeder auf seine Weise. PCgo etwa setzt alles dran, zum IT-Äquivalent von BILD zu werden, und zwar konsequenter, als ComputerBILD das jemals geschafft hat (und schaffen wollte).

Manchmal (etwa in der Titelzeile "Impotent durch WLAN?") trennt das Weka-Magazin nur noch ein Fragezeichen vom großen Vorbild. Der Fairness halber muss gesagt werden, dass PCgo beileibe nicht allein ins tiefe Tal der Niveaulosigkeit gewandert ist - was vermuten lässt, dass die Verlage dort auch den größten Teil der Leser wittern. Hoffentlich liegen sie falsch. Zurück zur "Go": Der Impotenz-Artikel lebt vor allem von Spekulation, gemischt mit einem gehörigen Maß an Widersprüchen. Die Risiken durch die "privaten WLAN-Netze" seien "genauso hoch" wie die Gesundheitsgefahren durch den Mobilfunk. Strahlenbelastungen gibt PCgo in "_Wm2" an (gemeint sind wohl Mikrowatt pro Quadratmeter). Dazu passend ein Interview mit einem "Sachverständigen" für "Baubiologie" (eher ein lukrativer Wirtschaftszweig als eine Wissenschaft), der zwar explizit sagt, es gäbe bisher keine "streng wissenschaftliche" Bestätigung der hier geschürten Ängste, der aber nichtsdestoweniger "hunderte aktuelle Forschungsergebnisse" anführt, die seine Thesen bestätigen sollen. Hier hätte es sich für ein seriöses Medium unbedingt gehört, eine Gegenmeinung anzuhören.
Nun gut - damit ist die BILD-Strecke in PCgo ja leider noch nicht abgeschlossen. "Verbotene Brenn-Tipps" verspricht der Titel. "Trotz Kopierschutz Filme, Software und Musik-CDs rippen", "Die illegalen Knack-Tools der Raubkopierer". Hier wird der Leser gnadenlos verscheißert, denn natürlich liefert PCgo keine "verbotenen" Tipps, sondern erzählt (zum hundertsten Mal), wie man nicht-kopiergeschützte DVDs rippt oder CDs analog kopiert. Und dann: "XP Pro Gratis". Hat PCgo etwas zu verschenken? Nein, es geht darum, eine WinXP-Pro-Funktionen auch in der Home-Edition zu nutzen. Weniger im Ton vergriffen hat sich die Zeitschrift beim Erste-Hilfe-Artikel "Wenn Ihr PC spinnt". Lediglich "die Festplatte ist voll" gehört da eigentlich nicht hinein. Richtig lustig ist der Photokina-Artikel - wahrscheinlich hat die gefährliche WLAN-Strahlung in den Redaktionsräumen schon dazu geführt, dass die Redakteure in die Zukunft blicken können. Denn während zum EVT der PCgo die Messe noch lief (zum Redaktionsschluss hatte sie noch nicht mal begonnen), konstatiert PCgo schon "Besucherzahlen zufrieden stellend", die "Besucher zog es vor allem zu den Ständen der Kamerahersteller, wo...", "Begeisterung oder Verwunderung löste die neue Pentax Optio X bei den Messebesuchern aus". Zudem sind alle Texte ungeheuer werblich geschrieben und lassen jeden Abstand zum Objekt der Begierde vermissen. Ach ja: "avisieren" wird falsch gebraucht. Immer funktioniert die Weitsicht aber auch nicht: der neueste Trend, meint PCgo, seien "Handys mit Objektiv". He, Fotohandys, das ist ja wirklich mal was Neues. Der Rest des Aktuellteils ist gar nicht mal schlecht - hebt sich auf jeden Fall positiv ab. Nur die etwas verwundert formulierte Tatsache, dass der Duden an der neuen Rechtschreibung festhalte, verwundert doch ein wenig. Ab und zu finden sich zudem ein paar laienhafte Formulierungen. Leicht riskant ist das Vorgehen, das PCgo für die beiliegende "Sicherheits-CD" empfiehlt - da soll man zunächst Netbus installieren und damit dann die Sicherheitstools testen.
Hart an der Grenze ist übrigens die Siegel-Werbung auf S. 63 - solche ganz zaghaft mit "Anzeige" gekennzeichneten U-Boote sollte sich die Redaktion nicht gefallen lassen.





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