Heftkritik: Com! 05/05
Datum: Donnerstag, 07. April 2005 @ 18:12:47 MESZ
Thema: Heftkritik


Was ist nur aus der com! geworden? Kaum schaut man das ehemalige BTX-Magazin mal ein halbes Jahr nicht an, meint man auf den ersten Blick eine fünf Jahre alte PC-Welt vor sich zu haben. Der Titel ist eine Textwüste, mit lauter Themen, die so seriös wie lötkolbig und langweilig sind. "Firewall", "Partitionen und Images sichern", "Windows Linux-Edition" -

der Genießer kann damit vermutlich nichts anfangen. Im Editorial versucht Chefred Roland Bischoff, den Lesern nahezubringen, wie sexy die "500 starken Linux-Befehle" von Cygwin sind - ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen. Was nicht heißt, dass com! nicht nützlich wäre - man hat wohl tatsächlich den PC-Welt-Leser im Blick, der von zuviel Lifestyle geschockt ist. Leider hält beim Profi-Anspruch das im Heft gezeigte Knowhow nicht ganz mit. Da wird etwa die Dual-Core-Technologie als Neuheit verkauft (IBM und SUN wissen es besser) ebenso wie der Hypertransport-"Bus" in Nvidias Nforce4-Chipsatz. Zudem mangelt es des öfteren an Genauigkeit und Verständlichkeit (eine Abkürzung einfach auszuschreiben, reicht meist nicht). Beispiele: Das "Register" nennt com! "The Reporter", einem USB-Cardreader bescheinigt das Heft Kombi-Funktionalität (denn wenn eine Flashkarte in ihm steckt, wird er ja zum "USB-Stick"). Dass S-ATA schneller als P-ATA ist, erklärt com! damit, dass bei ersterem die Bits "nacheinander" übertragen werden (das stimmt zwar, aber...). Immerhin: der Cygwin-Artikel kommt dem, was etwa die Computerbild-Profi-Ecke liefert, schon recht nahe. Nur nicht ganz: dass ein Befehl Dateien ohne Nachfrage löscht, davor sollte man besser VOR der Anweisung warnen, diesen Befehl auszuführen. Der Firewall-Artikel fällt ein Stück ab: da heißt es etwa einfach "installieren Sie ... von der Heft-CD und starten Sie den PC neu". Außerdem erklärt er den Sinn vieler empfohlener Einstellungen nur unzureichend, Pings und Portscans sind z.B. an sich nicht gefährlich. Während beim Prozessor-Artikel nicht so ganz klar wird, warum bestimmte Details wichtig sind, erscheint die Detailfülle bei dem Beitrag über neue(re) Internet-Tauschbörsen sinnvoll. Eine Remineszenz an alte com!-Zeiten ist wohl der verhältnismäßig große Internet-Teil, der unter anderem auch Tipps zu Java und PHP liefert. Bei den Tipps allgemein wäre es hilfreich, von vornherein den "Schwierigkeitsgrad" zu kennen. Das auf S. 112 erwähnte "Löschtool" cipher wird übrigens nur mit Windows XP Professional geliefert. Recht stiefmütterlich kommen bei com! die Tests weg: Gerade mal zehn TFT-Bildschirme und sieben Programme wurden geprüft.





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