
Heftkritik: CHIP Test+Kauf Mai 05
Datum: Freitag, 15. April 2005 @ 07:18:51 MESZ Thema: Heftkritik
Es hat sich etwas getan bei "CHIP Test&Kauf", dem Heft, das zuletzt arg versucht hat, äußerlich Computerbild zu emulieren: Ab sofort erscheint das Testmagazin nicht mehr im Computerbild-Rhythmus, sondern monatlich. Möglich gemacht hat das anscheinend die Erfindung einer Zeitmaschine im CHIP-Labor.
Denn anderenfalls könnte Redaktionsleiter Michael Suck im Editorial ja nicht versprechen, dass CT&K "so aktuell, wie Sie das gewohnt sind" bleibe. Obwohl - das könnte natürlich auch ein Eingeständnis sein... Auch am Preis hat VogelBurda gedreht, jede Ausgabe kostet nun 1,20 Euro und ist dafür ein bisschen umfangreicher.
Bei der Ausrichtung auf Hardwaretests bleibt es. Der Aktuellteil zeichnet sich vor allem durch eine zu geringe Distanz zu den Hersteller-Pressemitteilungen aus. Wo man bei Computerbild von "soll" und Konditional schon ziemlich genervt ist, verkauft der CHIP-Ableger die Fakten in den Newsmeldungen, als hätte man tatsächlich alles selbst getestet. Das fällt bei Canons neuer EOS350D ebenso auf wie bei "Zeroshock"-Taschen. Eine LTUR-Meldung wird mit einem riesengroßen, aber nichtssagenden Pressefoto illustriert. Der substanzarme Mini-Artikel zu 1000-Euro-Notebooks stellt anlässlich eines ALDI-Angebots erstaunt fest, dass Subnotebooks keine 2000 Euro mehr kosten. Dass Luxpros "Super shuffle" demnächst in Deutschland angeboten werden soll, ist zumindest eine Exklusiv-Info der Redaktion (könnte aber auch ganz einfach falsch sein, das wird die Zukunft zeigen).
Auch die Schlussredaktion lässt zu wünschen übrig: zweimal "drei Monate" im 1&1-Text, "voreingstellt", "Keep ist simple", fehlende Kommas... besonders verständlich sind die Texte nicht geraten, in dieser Rubrik macht man dem Springer-Mitbewerber garantiert keine Konkurrenz. Zu den Tests: irgendwie ist alles hier schön und gut, und wenn es mal etwas zu kritisieren gibt, wird der Fakt garantiert durch ein Positivum ausgeglichen. Okay - man stellt eben nur immer die besten Geräte vor - doch der eigenen Glaubwürdigkeit zuliebe dürfte der ein oder andere Verriss nicht fehlen (Computerbild zelebriert das geradezu). Ach ja: Acer ist ganz bestimmt kein koreanischer Anbieter, wie auf S. 13 behauptet.
Apropos behauptet: Allzu oft behaupten Texte Dinge, ohne sie zu belegen. Bei "kaum einem anderen Produkt" sei Fehlberatung so häufig wie bei Digitalkameras. Ach ja?
Sprachlich macht sich allzuoft eine irgendwie cool klingende, aber ungenaue Ausdrucksweise breit: "Wir beleuchten die zehn stärksten Digicams" - Beleuchten? Stark? "... macht einen hochwertigen, gut verarbeiteten Eindruck" - was ist ein verarbeiteter Eindruck?
Wenig sinnvoll sind in der Digicam-Tabelle die dort abgedruckten Mini-Bildschirme - diesen Bildchen ist nun wirklich nichts zu entnehmen, nicht mal ihre Größe, weil alle auf dieselbe Dimension skaliert wurden. Beim Test des MSI-MP3-Players auf S. 72 ist den Testern sogar der Sinn des Bluetooth-Interfaces entgangen - nein, das dient nicht dazu, Dateien vom und zum PC zu übertragen.
Tipps gehören nicht zur Stärke von CT&K - entsprechend niedrig liegt das Niveau der Drucker-Tipps in dieser Ausgabe. Frech: der erste Tipp empfiehlt doch gleich mal, eine "CHIP Test&Kauf" zu kaufen. Das Magazin scheint wirklich ein Zielgruppenproblem zu haben: wer sich einerseits DVD-Brenner, Mainboards oder Grafikkarten separat nach Bestenliste kauft, lässt sich andererseits nicht mit Simpel-Tipps auf Erstklässlerniveau abspeisen (Tipp 10: "Möglichkeiten entdecken"...). Schließlich: der Sinn der Kolumne "Das letzte Wort" will nicht einleuchten. Was interessiert den Leser von Test&Kauf, in welchem MMORPG sich einer der Redakteure herumtreibt?
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