
Heftkritik: AVDC 06/05
Datum: Freitag, 29. April 2005 @ 14:49:20 MESZ Thema: Heftkritik
Schick sieht sie ja aus, die Titelseite des "Blatts für digitale Unterhaltung, das den Computer nicht länger ignoriert" (AVDC-Chef Thomas Jannot im Editorial). Allerdings erkennt man erst auf den zweiten Blick, was da eigentlich abgebildet ist - ein Sammelsurium hübscher und weniger hübscher Computer, wie es auch einen c't-Aufmacher zieren könnte.
Der Blick aufs spannende Detail hätte vielleicht den Genießer, der 5,95 Euro für die Zeitschrift ausgeben soll, eher angelockt.
Das Editorial beschreibt das Konzept - und klingt ein bisschen wie eine große Bitte um Entschuldigung: nämlich dass dem Heft keine Film-DVD beiliegt. Denn Konzertmitschnitte sind ja "wertvoller als Hollywood-Junk". Zum Inhaltsverzeichnis: das Übermaß an gesperrten Schriften erschwert es, einen schnellen Überblick zu bekommen. Warum die Seitenzahlen im (vergleichsweise kleinen) Kulturteil farbig sind, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Ah, dort gibt es Reiter in derselben Farbe. Aber wieso nur dort? Und warum fehlt der "Reitersprung" beim Wechsel von "Sounds" auf "Books"? Das Layout ist prinzipiell sehr bildlastig und großzügig - das gefällt, und womöglich schaut sich ja der ein oder andere etwas davon ab. Wären da nicht überall diese schlecht lesbaren Schriftarten... Dass man mit wenig Mitteln viel erreichen wollte, ist daran erkennbar, wie oft Herstellerbilder als Aufmacher Verwendung fanden. Ob die Redakteure wenigstens mal in den großzügig gefeaturten BMWs oder Jaguars sitzen durften? Vermutlich nicht...
Frech für ein Heft, das Ende April erschien: "News im Juni" im Aktuellteil. Das glaubt doch kein Leser. Zum DVB-T-Artikel: "der bundesweite Ausbau von DVB-T scheint gefährdet", heißt es dort. Naja, war ja auch nie geplant. Im Ton vergreift sich AVDC manchmal, ist bemüht launig: "Knackschutz", "das Ding", "mächtig Power" so spricht man unter Kumpels, nicht unter Genießern. Oder die bravomäßigen Testfragen: "Was für ein MP3-Girl bist du?" (immerhin ist in der Männer-Rubrik von "Kerl" und nicht von "Boy" die Rede...), die vermutlich lustig sein sollen: "Neben dir liegt eine gut aussehende, schlanke junge Frau mit neuem MP3-Player im Freibad. Du spricht [sic] sie an. Was sagst du?"
Wenn sich irgendwie ein Aufhänger finden lässt, sind AVDC-Geschichten Personengeschichten. Die "Top 100 DVD-Tipps" steigen zum Beispiel mit Clint Eastwood ein. Wer es gewohnt ist, wie im Fachmagazin sofort zum eigentlichen Stoff zu gelangen, wird enttäuscht. Schade ist nur, dass Eastwood im Artikel selbst gar nicht wirklich vorkommt. Da fehlt eindeutig noch die Verbindung zwischen Aufmacher und Artikel - wie sie in der Magazinwelt zum Standard gehört. Das fällt auch wieder beim Monica-Belluci-Aufmacher auf. Nett auch die Bildunterschrift: so hatte sich der Rezensent Maria Magdalena wirklich nicht vorgestellt (Bildunterschrift: "Einzigartig: Bonica [sic] Bellucci als Persephone in 'The Matrix Revolutions' und als Maria Magdalena in 'The Passion of Christ' ".) Die Texte selbst erinnern doch noch häufig an Fachpresse - wurden, werden und man spielen zu oft die Hauptrolle. Und es wird nicht ganz klar, welche Vorkenntnisse die Redaktion voraussetzt. Zum Schluss: hatte ich schon gesagt, dass all die gesperrten Schriften nach spätestens einer Stunde Augenkrebs verursachen schwer lesbar sind?
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