
Heftkritik: PCgo 10/05
Datum: Dienstag, 13. September 2005 @ 18:21:01 MESZ Thema: Heftkritik
Sie ist leider wirklich nicht schön, die Titelseite der neuen PCgo-Ausgabe. Große, bunte Schriften, stechendes Grün, gelbe Streifen, alles ist auf maximale Aufmerksamkeit optimiert. Aus dem Editorial schaut uns Herausgeber Stephan Quinkertz entgegen - wir wissen ja schon, warum. Er mag sich nicht recht festlegen, ob er die PCgo nun als Mädel oder als Buben betrachtet - mal schreibt er "sein Geburtstag", dann "Ihre PCgo".
Bei der Aufzählung der Varianten vergisst er die (ungeliebte?) 99-Cent-Version, die auch Grundlage dieses Textes ist. Der Aktuellteil beginnt mit einem etwas verkrampft geschriebenen UMTS-Report, der auch ein paar Fehlerchen enthält. Der daran anschließende Bericht von Hacker-Festivals liest sich schon besser. Der Aktuellteil macht insgesamt keinen professionellen Eindruck. Die BU zum "Mobilen Internet" (S. 14) ist falsch, Methoden "entdeckt" man nicht, die Handystrahlungs-Meldung ist ungenau. Warum entsteht der Rechtsinfo-Kasten "in Zusammenarbeit mit ARAG..."? Wenn die Firma dafür bezahlt, ist es eine Anzeige. Wenn nicht, warum dann das Logo? Die dürftigen Infos hätte auch ein Redakteur geben können. Ins Interview mit Otto Schily gehört ein Interview-Foto (falls es nicht persönlich geführt wurde - so klingt es nämlich, weil der Interviewer nie nachfragt - sollte der Leser das auch erfahren). Der Mini-Workshop zu "Kindersicherung 2005" steht so unmotiviert im Aktuellteil, dass man den Eindruck bekommt, er sei Teil eines Deals. Generell sollten die Bildunterschriften besser zum Bild passen - auf dem Packshot von MS Foto 2006 ist z.B. kein Schnellkorrekturwerkzeug erkennbar. Ebenfalls generell wurde die Endkontrolle vernachlässigt, es finden sich zu viele Komma- und Grammatikfehler ("Souvenier", "die maximale Nutzungszeiten"). Dabei steigt die Qualität zum Ende der Aktuellstrecke hin an. Das Titelthema "Hardware-Service-Pack" (an sich eine gute Idee) hält nicht ganz, was es verspricht - es werden einfach zu wenig und nicht repräsentative Geräte behandelt. Übrigens: Bindestriche sind nicht verboten, "WLAN ROUTER" ist genauso amerikanisch wie "HARDWARE SERVICE PACK". Gut: die 50 DSL-Tipps. Vernünftig: der Artikel zum Phishing. Einige Artikel hören leider genau dann auf, wenn es spannend wird - die Diskussion der DVD-Rohlings-Qualität etwa und der "Preisvergleich im Web". Was auffällt: in PCgo sind besonders viele Anzeigen im Stil des Heftlayouts gehalten. Hoffentlich vermarktet die Anzeigenabteilung das nicht als großen Vorteil, sonst ist es um die Glaubwürdigkeit bald geschehen. Ein ungutes Gefühl beschleicht (dieses Wort ist bewusst gewählt) den Kritiker beim Artikel über Banner-Communities. Da gibt es ja nun doch einige am Markt - aber hier geht es einzig und allein um eine ganz bestimmte, in einem eigenen Kasten wird auch noch deren tolle Technologie erläutert. Der Autor des Beitrags, ein gewisser Tony Tulles, ist Google völlig unbekannt - ungewöhnlich für einen IT-Fachautor... In ihrem Element ist PCgo dann wieder im Praxisteil - da gibt es ausnehmend wenig zu kritisieren.
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