Fragen und Antworten zu Gizmodo Deutschland
Datum: Mittwoch, 16. November 2005 @ 21:53:50 MEZ
Thema: Medien


Daniel Schräder vom deutschen Gizmodo.com-Ableger war so freundlich, uns ein paar Fragen zu beantworten. Wir erinnern uns: Kurz nach dem Start der Deutschland-Version hatte es teilweise heftige Kritik gegeben... wie ging de.Gizmodo.com damit um, was macht man mittlerweile anders?

Wie läuft die Arbeit beim deutschen Gizmodo ab? Wer entscheidet, welche Inhalte übersetzt werden? Wer übersetzt?
Derzeit arbeiten wir in einem Vierer-Team. Jeder von uns sucht sich selbst aus, um welche Themen und Beiträge er sich kümmert, frei nach Affinität und Bauchgefühl. Denn die Begeisterung unserer Autoren für Gadgets soll in den Beiträgen rüberkommen. Damit nicht mehrere von uns gleichzeitig an den selben Themen arbeiten, stimmen wir uns über einen Mailverteiler ab.

Gibt es Stilvorgaben? Passt der flapsige Stil zum deutschen Publikum?
Es soll Spaß machen, die Beiträge zu lesen. Das ist uns wichtig. Dem Feedback nach, das wir inzwischen bekommen, scheinen wir das geschafft zu haben. Jeder Autor trägt zwar auch einen individuellen Stil bei, aber eine externe Textchefin, Britta Arnold, kontrolliert regelmäßig die Qualität, brieft die Autoren individuell und leitet regelmäßig stattfindende Blogkritik-Konferenzen.

Produziert ihr auch eigene Meldungen ? und werden die dann evtl. von anderen Ländersites übernommen?
Ja. Im Moment ist unser Ziel, etwa 30 Prozent der Beiträge selbst zu finden und zu schreiben. In Zukunft werden wir das noch verstärken. Wir stehen permanent in Kontakt zu unseren europäischen und amerikanischen Kollegen. Findet jemand eine brandheiße Sache, informiert er die Gizmodo-Teams der anderen Länder. Vor Kurzem haben beispielsweise unsere spanischen Kollegen heiße Informationen zum Ipod Video herausgefunden, die wir sofort eingebaut haben. Auch die US-Kollegen von Gawker haben auf die Meldung zurückgegriffen.

In der deutschen Variante erscheinen täglich ja deutlich weniger Meldungen als bei Gizmodo US. Wird sich das noch ändern?
Natürlich. Nicht alle Nachrichten aus den anderen Ländern passen zum deutschen Markt. Momentan veröffentlichen wir die interessantesten Gadgets aus Amerika und Europa. Wir sind derzeit dabei, das Blogging-Team zu verstärken und werden in Zukunft deutlich mehr eigenen Content liefern.

Wieviele Leute schreiben für de.gizmodo.com? Sind darunter auch Freie?
Zur Zeit bloggen zwei festangestellte Redakteure von VNUnet sowie zwei Freie auf Gizmodo. Wir sind auf der Suche nach weiteren, affinen Bloggern.

Gibt es Kriterien dafür, wann ein Gizmo für Gizmodo geeignet ist?
Das entscheiden unsere Autoren. Sie verfügen über genügend Marktkenntnisse, haben jahrelange Berufs- und Hobbyerfahrung in dem Bereich und - das wichtigste - sie haben Spaß an der Sache. Ein Gizmo muss irgendeine Art von emotionaler Reaktion bei uns auslösen - ob wir es nun besonders gelungen finden oder als völlig überflüssig einstufen.

Es gab ja zum Start eine gewisse negative Resonanz in der Blogosphäre. Hat euch das überrascht? Wie schätzt Du die Situation heute ein?
Wenn ein amerikanisches Kult-Weblog wie Gizmodo kommerziell nach Europa geholt wird, kann man eigentlich nur alles falsch machen - denn die Kritiker schauen ganz besonders genau hin. Doch auch für die - teilweise heftigen - ersten Reaktionen sind wir dankbar. Es hat sich herausgestellt, dass das zunächst geplante Übersetzen der englischen Beiträge nicht gut ankommt. Das hat uns ermutigt, mit den Texten sehr viel freier umzugehen: Inzwischen dient uns das US-Blog nur noch als Ideengeber; wir recherchieren und schreiben aber selbst. Ich denke, wir haben nun einen relativ durchgängigen Stil. Dazu bekommen wir auch entsprechendes, sehr positives Feedback. Stil und Inhalt werden sich ganz selbstverständlich weiterentwickeln - das ist eben auch ein Prozess, der nicht mit der Ansage "ab heute machen wir Gizmodo auf Deutsch" abgeschlossen ist. Insgesamt ist es für alle ein sehr spannende Projekt, das uns herausfordert, aber auch eine Menge Spaß macht.





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